Alles steht Kopf (engl.: Inside Out)

Das Animationsstudio Pixar bringt mit Alles steht Kopf (engl.: Inside Out) wieder einen Film in die Kinos, der auf einer originellen Prämisse basiert: die Protagonisten des Filmes sind die Emotionen im Kopf eines jungen Mädchens. Doch Inside Out ist nicht nur ein origineller Film, sondern einer der stärksten Einträge in Pixars beeindruckendem Filmkatalog.

Freude ohne Trauer

Inside Out Joy Sadnes

Freude (Amy Poehler) gibt schon seit Jahren den Ton in Rileys (Kaitlyn Dias) Leben an, was die restlichen Emotionen Furcht (Bill Hader), Ekel (Mindy Kaling), Wut (Lewis Black) und Kummer (Phyllis Smith) absolut nicht zu stören scheint. Riley geht fröhlich durch die Welt und sämtliche Probleme scheinen sich von selbst zu lösen.

Doch als Rileys Eltern beschließen nach San Francisco zu ziehen, ist es für Freude nicht mehr leicht, das Mädchen bei Laune zu halten. Ein kahles Haus, keine Freunde, gestresste Eltern… all das führt dazu, dass Kummer immer mehr den Charakter von Riley definiert. Verzweifelt versucht Freude dazwischen zu funken und Trauer zu verbannen, doch eine Verkettung von Umständen führt dazu, dass sowohl Freude als auch Kummer aus dem “Kommando-Zentrum” stürzen.

Völlig verzweifelt müssen die beiden nun den Weg zurück finden während Wut, Ekel und Furcht Rileys Leben bestimmen und all jene positiven Erfahrungen, die bisher Rileys Persönlichkeit ausgemacht haben, zu verschwinden drohen. So entwickelt sich Inside Out zu einem unglaublich kreativen Road-Movie, in dem Freude und Trauer durch die unterschiedlichsten Bereiche des menschlichen Gehirns stolpern.

Das passiert alles in meinem Kopf?

Inside Out Islands of Personality

Von Anfang bis Ende ist Inside Out eine Klasse für sich in Sachen world building. Konzepte wie Kurz- und Langzeitgedächntis, REM-Phasen und Persönlichkeitsbilder werden spielerisch auf eine Art visualisiert, die Aufklärungsproduktionen wie etwa Es war einmal… das Leben stolz macht. Wie viel Arbeit hinter den einzelnen Sequenzen steckt kann man nur erahnen und wenn man am Ende eines derartig originellen Filmes quasi im Abspann im Sekundentakt mit lustigen Ideen und Konzepten bombardiert wird, kann man sich ungefähr ausmalen wie viele Ideen wohl verworfen wurden, bis man endlich das finale Produkt vor sich gehabt hat.

Es ist ok traurig zu sein

Inside Out Family

Inside Out ist nicht nur ein mutiger Animationsfilm, weil er (wie fast alle Pixar-Filme) seine Zielgruppe mit Respekt behandelt und eine originelle Prämisse vorweist. Nein, der tatsächliche Mut liegt in der Kernaussage des Filmes über die Notwendigkeit von Kummer. Der Unterschied zwischen Pixar-Produktionen und dem Großteil der restlichen Animationsfilme ist die Tatsache, dass Pixar stets der Realität ins Auge blickt, aber sich weigert den Idealismus aufzugeben.

Und es ist eben jene reflektierte Art, die den Film für alle Altersgruppen zugänglich macht, denn wo andere Filme billiges Drama erzeugen, welches rasch und polemisch aufgelöst wird, konfrontiert Inside Out den Konflikt zwischen Freude und Kummer direkt und liefert wie andere Pixar-Juwelen (Up, Ratatouille) eine simple und zugleich unglaublich reife Lösung.

Denn hin und wieder ist es in Ordnung, traurig zu sein und dies hat nicht zu bedeuten, dass man nie mehr fröhlich ist. Allein diese Aussage und die gekonnt meisterhafte Inszenierung der Konflikte heben Inside Out schon genug von der Masse ab, um den Film zu einer absoluten Empfehlung zu machen. Darüber hinaus meistert er aber auch noch eine Hürde an der die meisten Unterhaltungsfilme scheitern…

Keine Faulheit im dritten Akt

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass der dritte Akt in Unterhaltungsfilmen eine vorgefertigte Struktur zu haben hat. Egal wie ambitioniert die vorhergegangene Geschichte ist, der dritte Akt ignoriert meistens sämtliche Konzepte, die behandelt wurden und fingiert oberflächliche Konflikte. Diese wären zwar meist mit einer Tasse Kaffee und einem klärenden Gespräch aus der Welt geschafft, doch stattdessen entscheidet man sich für stereotype Showdowns ohne Sinn und Emotion.

Man muss schon den Hut vor Pixar ziehen, wie logisch sie die Geschichte beenden und gleichzeitig auf diese narrativen Fallen des modernen Kinos verzichten. Denn die Geschichte um Freude und Kummer ist interessant genug, dass man keine weiteren Antagonisten fingieren muss. Und dieser Mut zur eigenen Überzeugung führt dazu, dass die Erkenntnisse am Ende von Inside Out auf eine Art tiefsinnig und gleichzeitig einfach sind, wie es seit Up nicht mehr gelungen ist.

Moviequation:

Moviequation Inside Out

Fazit (Wolfgang):

Film: Inside Out
Rating:
User1.Wolfgang.Rating5.Flipthetruck.Frei_1
Exzellent (5 / 5)

 Inside Out ist nicht nur um Welten besser als sämtliche Pixar-Produktionen seit Toy Story 3, es ist auch ein Film, der weit vorne unter den besten Werken des Animationsstudios gereiht ist. Eine originelle Prämisse, eine kreative Welt und der Mut sich gegen Konventionen im dritten Akt zu entscheiden machen den Film zu einem hervorragenden Erfolg.

Weitere Meinungen aus der Redaktion

Fazit (Patrick):

Film: Inside Out
Rating:
User2.Krammer.Rating4.Great.Frei
Sehr Gut (4 / 5)

Fazit (Michael):

Film: Inside Out
Rating:
User3.Leitner.Rating4.Great.Frei.Small
Sehr Gut (4 / 5)

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Wolfgang Verfasst von:

Der Host des Flipthetruck Podcasts. Mit einem Fokus auf Science Fiction und Roboter sucht er ständig jene Mainstream Filme, die sich nicht als reine Unterhaltungsfilme zufrieden geben.

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