Arrival

 Mit Arrival liefert Regisseur Denis Villeneuve einen mutigen Science Fiction Film über eine Alien-Landung… und Sprache.

Dass die Welt stillsteht, weil 12 extraterrestrische Raumschiffe erscheinen, bekommt die Linguistin Louise Banks erstmals gar nicht mit. Erst als sie von ihren Studenten gefragt wird, ob sie die Nachrichten aufdrehen könne fällt der Groschen und Louise findet sich in einer hektischen und panischen Welt wieder. Schon in diesen ersten Momenten zeigt Regisseur Villeneuve sein Talent für Inszenierung indem er sich hauptsächlich auf den menschlichen Aspekt fokussiert.

Menschen fahren abgelenkt aus der Parklücke und krachen in ein vorbeifahrendes Auto, niemand hat einen Kopf für etwas und das Publikum ist permanent beunruhigt. Genüsslich lange bauen Kamera, Drehbuch und Sound die Atmosphäre auf, ehe der Erstkontakt mit den Außerirdischen im Inneren des Schiffes gemacht wird. Und dann geht es erst richtig los mit den Science Fiction Ideen.

Ein Blockbuster… über Sprache

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Während die Welt immer skeptischer auf die Aliens blickt, muss Louise mit der Hilfe eines theoretischen Physikers (wenig glaubhaft dargestellt von Jeremy Renner) eine Kommunikation herstellen. Doch wie kann das funktionieren, wenn die Außerirdischen ein völlig anderes Konzept der Realität haben? Im Herzen von Arrival steht eine Diskussion über Sprache und wie sehr diese unsere Wahrnehmung formt. Hier werden hochkomplexe Ideen präsentiert und der Film schafft es nie zu theoretisch zu sein, gleichzeitig aber genug Gedankennahrung zu bieten.

Basierend auf der Kurzgeschichte Story of Your Life von Ted Chiang bietet Arrival unglaublichen Tiefgang. So behandelt der Film Wahrnehmung und Sprache während er sich gleichzeitig mit der Wahrnehmung (oder Konventionen) des Publikums spielt. Die Twists der Handlung machen ein erneutes Schauen des Filmes unverzichtbar und auch wenn viele Konzepte auf Anhieb nicht intuitiv sind, geschieht hier etwas, das sich wenige Filme trauen: Arrival fordert uns auf umzudenken.

Dieses Gefühl ist unglaublich schwer in Worte zu fassen, doch hin und wieder kommt ein solcher Film daher, der sich nicht um unser klassisches Weltbild schert und sein eigenes, konsistentes Weltbild präsentiert. Ein Paradebeispiel dafür ist Rian Johnsons Looper, dessen Konzept von Zeit in komplettem Widerspruch zu unserer Vorstellung ist. Doch durch interne Konsitenz und striktes Befolgen der eigenen Regeln ist man aufgefordert ein “Was wäre wenn”-Spiel zu spielen, sich aus den strikten Dogmen zu lösen und einmal die Welt komplett anders zu sehen.

Wenn der obige Absatz sich etwas diffus liest, dann liegt dies wohl daran, dass ich noch immer nicht “rational” beschreiben kann, was genau an Filmen wie Arrival so toll ist, aber es ist eine unglaublich belohnende Erfahrung.

So knapp…

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Arrival ist ein Spitzenfilm! Umso frustrierender wiegen dann natürlich die Schnitzer. Denn um Drama zu erzeugen muss natürlich ein Konflikt über Fremdenfeindlichkeit her und eine schießfreudige Fraktion, die einen Krieg riskieren will, im Namen der Sicherheit. Leider fallen diese Konzepte sehr halbgegoren aus im Vergleich zur Komplexität der persönlichen Geschichte von Louise und dies scheint lediglich in die Handlung gequetscht zu werden, um ein episches Drama zu erzeugen.

Die Antagonisten sind farblose Soldaten und verkommen zu Karikaturen. Es wirkt als hätte ein Studio beschlossen, man könne keinen Film rein über Aliens und Sprache machen. Wenn man dann herausfindet, dass Arrival eigentlich ein Independent-Film ist, wundert man sich doppelt, warum der Film so sehr in die Standard-Drama Schemata fällt.

Besonders gegen Ende scheitert der Film oftmals an der emotionalen Resonanz, die Lösung erscheint fast schon als Deus Ex Machina und das Drehbuch wird leicht pathetisch.

…und doch so gut!

Und bei jedem anderen Film würden solche Probleme zu einem standardisierten Einheitsbrei führen (oder nicht schlimmer zu einem möchtegern intellektuellem Sci-Fi Film), doch genau da trennt sich die Spreu vom Weizen. Arrival bietet nämlich so viel, dass man locker über all diese Ärgernisse hinwegschauen kann. Je mehr man über den Film nachdenkt, umso mehr kommt an die Oberfläche und selbst Sätze, die mit dem Holzhammer gesagt werden, erhalten ungeahnte Komplexität.

Fazit (Wolfgang):

Film: Arrival
Rating:

User1.Wolfgang.Rating4.Great_.Frei_1
Sehr Gut (4 / 5)

 

Mit Arrival schrammt Denis Villeneuve knapp am Meisterwerk vorbei und das ist natürlich ärgerlich. Aber wenn der Rest so spitze ist kann man sich nicht wirklich beschweren.

Hinweis: Arrival startet diese Woche in den österreichischen Kinos. Wer sich aber noch ein bisschen gedulden kann, kann den Film ab 2.12. auch im Gartenbaukino sehen. 

Wolfgang Verfasst von:

Der Host des Flipthetruck Podcasts. Mit einem Fokus auf Science Fiction und Roboter sucht er ständig jene Mainstream Filme, die sich nicht als reine Unterhaltungsfilme zufrieden geben.

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