Die Hölle

Mit Die Hölle bringt Regisseur Stefan Ruzowitzky eine österreichische Version von Sieben in die Kinos, die trotz guter Ideen auseinanderfällt.

Taxifahrerin Özge (Violetta Schurawlow) wird durch Zufall Zeugin eines grausamen Mordes in ihrer Nachbarwohnung. Als der Killer mit ihr Blickkontakt aufnimmt ist klar, dass dieser Mann alles daran setzen wird, auch Özge unschädlich zu machen. Doch leider glaubt ihr Polizist Christian Steiner (Tobias Moretti) nicht, dass sie sich in ernster Gefahr befindet. So lebt Özge in permanenter Angst vor einem Angriff, der früher als später auch passiert. Ein Katz und Maus Spiel zwischen Killer und Opfer wird entfacht während Özge den Polizisten Steiner langsam überzeugen kann, dass er ihr doch helfen soll.

Intention: “eh ok” Ausführung: “Najo”

Die Hölle, © Filmladen

Die Hölle hat einige lobenswerte Ideen. So fokussiert sich die Handlung auf Özge und das türkische Milieu in Wien. Ein rassistischer Polizist will Özge nicht glauben, da sie eine Tiakin* ist und prinzipiell ist es begrüßenswert, dass sich der österreichische Film im Genre versucht. Leider gehen alle diese positiven Ideen in einem mittelmäßigen Drehbuch von Martin Ambrosch (Das Finstere Tal) unter. So wird Özge gleich zweimal als “toughe Frau in tougher Männerwelt” inszeniert und fühlt sich weniger wie eine echte Person an, als eine weitere Karikatur der Kämpferfrau, wie sie etwa in Marvel-Filmen propagiert wird. Verzweifelt wird versucht den Figuren Tiefe zu geben, indem jede/jeder mit einer persönlichen Last zu kämpfen hat und gleich einem Teenagerroman flirtet Özge mit ihrer “dunklen Seite”. Doch trotz all dieser Versuche bleiben die Figuren einfach im moralischen Spektrum einzuteilen, denn trotz der vermeintlich dunklen Seiten sind die Protagonisten allesamt gut, während der Killer eine Karikatur sondergleichen ist. Die lächerlichen Dia- und Monologe unter den Teppich zu kehren mit der Ausrede “Es ist ein Genrefilm, keine hohe Kunst” wäre eine Beleidigung für die vielen großartigen Genrefilme und packend inszenierten Unterhaltungsfilme.

Schwacher Tatort

Die Hölle, © Filmladen

Dieser Fleckerlteppich an halbgaren Ideen hilft leider nicht, um die Laufzeit zu füllen und so stellt sich bereits nach einer halben Stunde ein unglaublich träges Gefühl ein, als hätte das Drehbuch bereits alles gesagt und vegetiere nun langsam dem Ende entgegen. Überraschungen gibt es keine und es fällt dem Film schwer eine eigene Identität zu entwickeln, wenn man das Gefühl hat jede Szene schon zigfach woanders – und besser inszeniert – gesehen zu haben. Was bleibt ist ein Film, der offensichtlich viel Geld gekostet hat, da es einige komplizierte Aufnahmen im Wiener Straßenverkehr untertags zu sehen sind. Doch die komplexeste Produktion hilft nicht über eine flache Geschichte und einen teils unvereinbaren Ton hinweg, bei dem man nicht weiß, ob der Film ruhig und realistisch oder cool wie ein Til Schweiger Tatort sein will.

Fazit (Wolfgang):

Film: Die Hölle
Rating:

User1.Wolfgang.Rating2.Lukewarm.Frei_1
Lauwarm (2 / 5)

Einfach nur Schade! Mit Die Hölle verschleudert Stefan Ruzowitzky viel Potential und das Drehbuch von Martin Ambrosch gibt den Figuren kaum die Möglichkeit sich über den Status von Karikaturen hinauszuentwickeln. Dass der österreichische Film sich am Genrefilm probiert ist zwar lobenswert, ein solches Ergebnis aber definitiv nicht. *österreichisch für Türkin

Wolfgang Verfasst von:

Der Host des Flipthetruck Podcasts. Mit einem Fokus auf Science Fiction und Roboter sucht er ständig jene Mainstream Filme, die sich nicht als reine Unterhaltungsfilme zufrieden geben.

Schreibe den ersten Kommentar

Kommentar verfassen