Kills on Wheels (Tiszta Szívvel)

Drogenhandel, kaltblütige Mittelmänner und ein Gangster, der zwischen Gut und Böse steht. Diese Beschreibung würde auf ein typisches Crime-Movie hindeuten, wären da nicht die drei Hauptfiguren, die so gar nicht in diese harte Welt passen.

Rupaszovs (Szabolcs Thuróczy) Leben ist nicht gerade eine Traumkreuzfahrt: Zuerst erleidet er bei seinem Einsatz als Feuerwehrmann eine Querschnittslähmung, dann kommt er auch noch in den Knast – und das im Rollstuhl. Als er dann endlich raus ist, beschließt er sein Schicksal in die Hand zu nehmen und auf eine Operation hinzuarbeiten, die ihm aus dem Rollstuhl heraushelfen soll. Doch natürlich kostet so ein Eingriff viel Geld und das hat Rupaszov nicht.

Als er dann in einem Wohnheim für körperlich und kognitiv beeinträchtigte Menschen zwei Burschen kennenlernt, merkt er, dass er mit deren Hilfe vielleicht doch schneller an die Moneten rankommt, als gedacht. Die jungen Erwachsenen Zolika (Zoltán Fenyvesi) und Barba (Ádám Fekete) wünschen sich nichts lieber, als dem eintönigen Wohnheim-Leben zu entfliehen. Und so stürzen sich die drei als Mittelmänner und Kopfgeldjäger in eine Welt der Kriminalität, aber auch des Abenteuers.

Vielleicht ist hier ein kurzer Disclaimer angebracht: Dieser Film von Attila Till ist ein ungarischer Blockbuster, der nicht nur in seinem Heimatland die Kinos gerockt hat, sondern auch auf vielen kleinen Festivals rund um die Welt sehr gut aufgenommen wurde. Am 23. März 2017 erscheint die DVD in Ungarn mit englischen Untertiteln, so dass es schon möglich ist, diesen Film aus dem Nachbarland heraus zu erwerben, wenn man vielleicht ein bisschen ungarisch-sprechende Unterstützung anheuert. Aber zurück zum Film und zu den Gründen, warum man sich die Arbeit überhaupt antun sollte, die DVD zu bestellen.

(c) Laokoon Film

Wie man vielleicht von der Beschreibung schon merkt, ist dieser Film kein Film-Noir oder ein Full-on-Actionfilm, sondern vielmehr eine schwarze Komödie, mit einigen Action-Elementen. Und wer jetzt glaubt, es ist lustig, weil die Hauptfiguren körperlich beeinträchtigt sind und deswegen alle nicht ganz so auf die Reihe bringen, dem muss ich sagen: Du bist hintennach! Lustig ist der Film, weil er vom humorvollen Dialog lebt und weil die Charaktere ihrem Leben und ihren Umständen so selbstkritisch und reflektiert gegenüberstehen, dass man mit ihnen mitlacht und nicht über sie.

Und außerdem, Rupaszov ist ein echt harter Typ: Mordet ohne viel Umschweife, kaltblütig und schnell. Er und seine jungen Kollegen, die es ja gewohnt sind, mit ihrer körperlichen Kondition zu leben, finden immer einen Weg, um Herren über ihre Situationen zu werden. Wenn man auf ein Plattform gehoben werden muss, ist das halt so, und wenn man aus dem Rollstuhl kippt, schaut man, wie man wieder reinkommt.

In Tills Film gibt es keine tearjerk-Momente, in dem man die Charaktere bemitleiden muss, weil sie es körperlich so schwer haben. Wenn man Mitleid empfindet, ist es wegen seelischen oder äußeren Umständen. So findet man es etwa traurig, dass Rupaszovs Beziehung mit Évi (Lídia Danis) nach dem Unfall langsam in die Brüche gegangen ist. Oder, dass Zolika schon seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr zu seinem Vater hat, ihn aber ziemlich vermisst. Dieser Faktor macht den Film auch so stark und authentisch, denn er zeigt, dass die körperlichen Grenzen, an die die Figuren stoßen nicht ihr Leben bestimmen.

(c) Laokoon Film

“Tiszta Szívvel” ist darüber hinaus auch gespickt mit SchauspielerInnen, die in ihren Rollen total aufgehen und dementsprechend eine großartige Leistung bringen. Sei es der serbische Gangster Rados (Dusán Vitanovics), mit seiner unterkühlten Art, oder Zolikas Mutter (Mónika Balsai), die ihrem Sohn zwar zur Seite steht, von seiner sturen Art aber auch mal genervt ist. Insgesamt wird der Film von Rupaszov, also Szabolcs Thuróczy, getragen. Er hat solch eine einnehmende Persönlichkeit, dass die ZuseherInnen sofort eine gewisse Sympathie für ihn empfinden. Trotzdem spielt er die vielschichtige Figur mit Bedacht, lässt den Ganster etwa nie zu übertrieben raushängen, noch ist er ein notorischer Nörgler.

Es ist schwer diesem Film etwas vorzuwerfen, vor allem als körperlich und kognitiv unbeeinträchtigte Person wirkt “Tiszta Szívvel” super aufgeklärt, total offen und authentisch. Natürlich kann es sein, dass es aus dem Blickwinkel einer körperlich und kognitiv beeinträchtigten Person Kritikpunkte gibt. Doch wenn, glaube ich nicht, dass es sehr tiefgehende Probleme sind, schließlich haben zwei der Hauptdarsteller wirklich jene Kondition, die sie auch im Film haben. Regisseur und Drehbuchautor Till hat in mehreren Interviews anklingen lassen, dass er seine Schauspieler in den Prozess des Filmemachens eingebunden hat.

Und so kann ich abschließend nur sagen, dass “Tiszta Szívvel” so viele Dinge richtig macht, dass man wirklich versuchen sollte ihn zu sehen, egal wie schwierig es ist. Da es eine Review ist, die ein bisschen aus dem Rahmen fällt, weil ich den Film in Ungarn gesehen habe und er keinen Release in Österreich bekommt, twittert mich an, oder schreibt uns auf Facebook und ich helfe gerne, den Bestellprozess einfacher zu machen.

 

Fazit: (Anne)

Film: Tiszta Szívvel (Kills on Wheels)
Rating: 


Sehr Gut (4 von 5)

Eine Gangsterkomödie, die alles hat, was man sich wünschen kann: Sehr lustige Dialoge, sympathische Hauptfiguren und eine Story, die die ZuseherInnen so richtig mit sich zieht.

Anne-Marie Darok Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Kommentar verfassen