Titanic | Flip the Truck | Der österreichische Film-Podcast

Titanic – 20 Jahre später

Fuck bin ich alt! Fuck ist Titanic noch immer super!

Mit gerade einmal 8 Jahren saß ich mit meinen Eltern im kleinen Kinosaal in Wr. Neustadt und durfte den deutlich längsten Film schauen, den ich bis dahin gesehen hatte: James Camerons Titanic.

Aufgeregt war ich auf jeden Fall, denn einen so langen Film (3h 15min) hatte ich noch nie im Kino gesehen und man fragte sich schon, ob es vielleicht eine Pause geben würde. Insgeheim hoffte ich, dass dem nicht so ist und sollte nicht enttäuscht werden. James Horners wunderschöner Soundtrack begann und ich tauchte ein in die Geschichte dieses gigantischen Schiffunglücks.

Spektakel ist nix Schlechtes

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Sorry, diese Sequenz erzeugt noch immer Gänsehaut – © 20th Century Fox / Paramount

Mittlerweile ist es (wie bei vielen anderen erfolgreichen Filmen) natürlich Gewohnheit, Titanic zu belächeln. Ein kitschiger Blockbuster halt, der den kreischenden Mädchen gefallen hat. Aber als Kind im dunklen Kinosaal war Titanic einfach nur eine Erfahrung. Die Laufzeit des Filmes war absolut kein Problem, denn der Detailreichtum mit dem Cameron das Jahr 1912 wiederbelebte war unglaublich. Sieht man Titanic heute, sind die einzelnen computeranimierten Szenen natürlich sehr leicht auszumachen, doch selbst jetzt kann man die beeindruckenden Sets nicht leugnen: Die wunderschöne Stiege, der Speisesaal der ersten Klasse, die kolossalen Maschinenräume und die vollgestopfte dritte Klasse.

Meine Eltern verfolgten die Regel “Warum willst den Film nochmal sehen, hast ihn eh schon einmal gesehen und weißt eh wie er ausgeht”, aber Titanic war der erste Film, den ich noch einmal im Kino sehen wollte. Als unmündiges Kind war man natürlich abhängig von den Kinoentscheidungen der Erziehenden und wahrscheinlich wollten sie nicht noch einmal über drei Stunden Kate und Leo zuschauen. Was folgte, war eine endlos lange Wartezeit auf die VHS (!) und die Suche nach einer Filmerfahrung, die mich bis dahin vertrösten konnte. Doch weit und breit war nichts zu sehen. Die Fernsehsender überschlugen sich mit Katastrophenfilmen, filmischen Epen und alternativen Verfilmungen des Titanic-Unglücks.

Und recht schnell stellte sich heraus, dass es keinen Film gab, der auf einer technischen Ebene mithalten konnte. Natürlich hatte eine BBC Fernsehproduktion der Titanic nie diese Chance, aber dieser harte Kontrast ließ mich zum ersten Mal erkennen, wie essentiell die Aufnahmen des riesigen Maschinenraums kombiniert mit James Horners Soundtrack waren. Wie wichtig dieses Spektakel war, um das Publikum an die Welt glauben zu lassen. Titanic konnte nicht schnell genug auf VHS erscheinen!

Der emotionale Untergang

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Kate Winslet und Leoardo DiCaprio in Titanic – © 20th Century Fox / Paramount

Wäre Titanic lediglich ein Sammelsurium technisch beeindruckender Aufnahmen, hätte mich der Film niemals so geprägt. Denn die Panikattacken, die bei mir im Kinosaal ausgelöst wurden, waren unbeschreiblich. Jack (Leonardo DiCaprio) und Rose (Kate Winslet) rasten von einer Nahtoderfahrung in die nächste und konnten nur im letzten Moment entkommen. Die Atmosphäre war derart gruselig und das Element des Wassers so unsagbar schonungslos und unpersönlich, dass mein Gerechtigkeitssinn über Bord geworfen wurde. Das Wasser war kein Erfzeind des Helden, es hatte keine persönliche Verbindung, aber es war ein Feind schlimmer als Darth Vader, denn es war so echt. Die Ungerechtigkeit, die sich am und unterm Deck der Titanic abspielte war greifbarer als jeder Konflikt, den die Power Rangers jemals lösen mussten.

Und ich war mit Jack und Rose dabei. Sie waren meine Helden. Natürlich interessierte mich die Liebesgeschichte nicht so sehr (wäh, Mädchen sind blöd!), aber ich glaubte den beiden Protagonisten, dass sie für einander da sein wollten. Ich spürte ihre Angst und ich wollte nur, dass es endlich aufhört. Einen solchen Wunsch sollte ich in Zukunft lediglich bei nervenaufreibenden Horrorfilmen ([Rec], Lights Out) verspüren. Bis heute ist das letzte Drittel des Filmes eine Meisterklasse in Spannungsaufbau, in der Cameron schrittweise das Tempo erhöht, bis das Publikum komplett außer Atem ist.

Mehr als eins

Flip the Truck | Titanic

Ja… bissl kitschig ist es scho… Kate Winslet und Leoardo DiCaprio in Titanic – © 20th Century Fox / Paramount

Dass Cameron diese Emotionen in einen “Schnulzenfilm” verpacken konnte, ist für mich die wahre Stärke des Filmes und auch der Grund, warum Titanic damals so populär war und heute noch sein sollte. Titanic ist Romanze, Katastrophe, Spannung, Spektakel, Historiendrama und noch so viel mehr. Dass meine Schwester und ich nach dem Kino beide den Film fantastisch fanden, lag an der Tatsache, dass Cameron nicht einen Film für eine Zielgruppe machte, sondern ein Epos für alle. Er ist bis heute wohl einer der wenigen Regisseure, der es schafft ein so breites Publikum anzusprechen, ohne ein Transformers – Äquivalent zu produzieren.

Wenn es nur nach cinematischer Erfahrung geht, dann ist Titanic sicher eine der größten Kinoerfahrungen, an die ich mich erinnern kann. Der Film feiert nun sein 20. Jubiläum und läuft am 29. Dezember im Wiener Gartenbaukino. Ich empfehle es allen nur wärmstens, sich diesen Film auf der großen Leinwand ohne Ablenkung anzusehen und noch einmal auf das Schiff der Träume zu steigen.

P.S.: 

Wer es nicht ins Gartenbaukino schafft, kann zu einem lächerlichen Preis eine fantastische BluRay Edition kaufen, die nicht nur wunderschönes Bild und Ton bietet, sondern eine unendliche Zahl an Extras.

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1 comment for “Titanic – 20 Jahre später

  1. 19. Januar 2018 at 18:09

    Ich kann mich auch erinnern, denn ich war damals neun als er ins Kino kam und ich mit meiner Mum (mein Dad wollte nicht) dieses Schmuckstück an Film erleben durfte. Danach folgten noch 8 weitere besuche – immer mit Freunden. Und als er dann pünktlich in 3-D ins Kino kam, war das mein 10tes Ticket. Einer der Filme, die auf der großen Leinwand einen Zauber versprühen, wie ich es eigentlich nur noch bei LaLaLand erleben durfte.

    Ich glaube, das dieser Film einfach so gut funktioniert ist die schlichte Tatsache, das es Cameron wunderbar geschafft hat, Fiktion und Historisches wunderbar zu verbinden, ohne das es aufgesetzt wirkt. Und obwohl gewisse Computeranimationen heute natürlich in die Jahre gekommen sind (ohne das sie schlecht sind – die Technik hat sich in 20 Jahren natürlich einfach weiter entwickelt) so empfinde ich es, ähnlich wie du: Die Liebe zum Detail ist unglaublich groß. Seien es die Kostüme, Besteck der ersten Klasse, Deko – einfach alles. Das ist nicht nur ein Set, es ist wirklich 1:1 nachgebaut worden. Und meiner Meinung hat er jeden Preis verdient.

    Es bleibt einen selbst überlassen, ob man die Liebesgeschichte braucht aber wenn dann der Untergang beginnt, muss man ihm einfach Neidlos anerkennen, das er da ganz großes Kino auf die Beine gestellt hat. Und das er sich vor allem auf kein Genre festlegen lässt. Ich denke, die wenigsten haben in nach Terminator oder Aliens so einen Film zugetraut.

    xxx
    Aimée

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