Jane

Welch anderer Film sollte am Weltfrauentag in den Kinos starten als eine Dokumentation über Jane Goodall?

Mit ihren Beobachtungen von Schimpansen veränderte Jane Goodall einst grundlegend alles, was wir über die Tierart der Schimpansen zu wissen glaubten. Jane erzählt die große Geschichte einer großen Frau, findet dabei aber immer wieder auch ganz kleine, nicht minder schöne Bögen. Lange vergessen geglaubte Archivbilder von Goodalls Forschungen haben das neue Projekt von Brett Morgen erst möglich gemacht. Und wie toll es ist, dass eben diese Bilder wieder aufgetaucht sind. Keinesfalls schlecht gealtert, aber dennoch in herrlichem Retroglanz, werden wir in eine Welt entführt, die selbst von ihren Protagonisten erst entdeckt wird. Über die Bilder werden ebenso alte Audioaufnahmen Goodalls gelegt wie Ausschnitte aus einem neuen Interview.

Ein blondes Mädchen, das alle überraschte.

Jane und Hugo beim Filmen in Gombe. / (c) Jane Goodall Institute

Das Sounddesign lässt dabei nichts zu wünschen übrig. Die Musik von Philipp Glass mag etwas gewöhnungsbedürftig sein, verstärkt aber die schöne, verwaschene Wirkung dieses Films. Auch Hintergrundgeräusche werden hier großartig zusammengemischt. Zunächst hören wir die friedliche, ruhige Atmosphäre der Natur, ehe mit dezenten Krawall die Menschen im Paradies erscheinen. Es klingt aber keineswegs erobernd oder gar feindlich, sondern wirkt vielmehr wie eine Allegorie auf das Erkunden einer neuen Welt.

Eben das tut Jane gleich in mehrfacher Hinsicht. Sie erforscht nicht nur unsere Vorfahren, sondern stößt auch in Sachen Emanzipation neue Türen auf. Eine hübsche junge Frau lässt sich ja prinzipiell den Medien ganz gut verkaufen, kommt als Storyline aber eben nicht bei allen so gut an. Beeindruckend subtil bringt Morgen diese großen Motive in die Geschichte ein, macht sich aber zugleich nicht von diesen abhängig.

In der Wildnis treffen Mensch und Affe aufeinander.

Jane und ein Schimpansenbaby. / (c) Jane Goodall Institute

Denn immer wieder, sei es mittels der Forschungen zu den Affen oder über Goodalls Ehe mit dem filmenden Kollegen, offenbart Jane kleinere Erzählungen, die alle einen irrsinnig stimmigen Bogen haben. So bricht es etwa unsere kleinen Herzen, wenn sich eben jene Schimpansen, die wir gerade noch als einfühlsame, zärtliche Geschöpfe kennen gelernt haben, in einem verbitterten Krieg wiederfinden. Morgen erkennt gut, dass es in diesen Momenten keine zusätzlichen, aufdringlichen Anreize für den Zuseher braucht. Die Reflektion über den Unterschied zwischen Mensch und Tier tritt ganz von selbst ein.

Dieser starke, wie in einem Sog erzählte Film, funktioniert aber natürlich in erster Linie dank seiner Protagonistin. Jane Goodall ist – na no na net – sehr intelligent, aber auch extrem sympathisch und einfach ein guter Typ. Allein wie sich die fast schon poetische, enthusiastische, junge Jane mit der weitaus entspannteren, älteren Jane die Redezeiten teilt, ist äußerst fein anzusehen.

Fazit (Michael)

Film: Jane
Rating:

Sehr gut (4 von 5)

Jane verwebt die große Erzählung mit genug kleinen Geschichten, um den Zuseher an der Stange zu halten. Wie in einem Sog erzählt, und mit beeindruckender Leichtigkeit auch noch große Fragen in den Raum stellend, ist es einer der besten Dokumentarfilme des Kinojahrgangs.

Mehr über Jane gibt es in unserem 109. Podcast zum Nachhören.

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