A Most Wanted Man

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Der Name John Le Carré ist schon lange nicht mehr aussschließlich mit Romanen assoziiert. Der Ewige Gärtner (engl.: The Constant Gardener) und Dame, König, As, Spion (engl.: Tinker, Tailor, Soldier, Spy)  sind lediglich die zwei neuesten Filmadaptionen. Nun reiht sich A Most Wanted Man in diese Liste ein und wartet mit den für Le Carré typischen moralisch grauen Charakteren auf. Allen voran gibt der vor kurzem tragischerweise verstorbene Philip Seymour Hoffman seine letzte leading-Performance.

The War on Terror

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Ein Flüchtling erscheint eines Nachts in Hamburg. Sein Name ist Issa Karpov (Grigoriy Dobrygin), doch woher er kommt und was seine Motivation ist bleibt im Unklaren. Rasch ist der Geheimdienst auf der Spur des Flüchtlings. Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman) leitet eine Spionagegruppe, welche außerhalb des deutschen Gesetzes operiert und herausfinden muss, ob Issa terroristische Absichten verfolgt. Doch der Druck auf Bachmann und seine Gruppe ist groß, war doch in Hamburg eine jener Terrorzellen angesiedelt, welche an den Anschlägen des 11. September beteiligt war.

Doch wer verfolgt nun welche Ziele? Was sind die Kosten des War on Terror und ist die Menschenrechtsaktivistin Annabel Richter (Rachel McAdams) die einzige Stimme für Verständnis oder eine fehlgeleitete Idealistin?

So wenig wie möglich wissen

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A Most Wanted Man ist einer jener Filme, den man unbedingt als unvorbereiteter Zuschauer sehen sollte. Der erste Akt des Filmes ist bewusst verwirrend gestaltet und wirft uns in unterschiedliche Situation, die anfangs so widersprüchlich erscheinen, dass man sich nie sicher sein kann, wem man trauen soll. Was ist Bachmanns Agenda? Ist Issa ein Terrorist oder ein unschuldiges Opfer? Die Fragen lichten sich langsam, sodass erst gegen Ende des Filmes dessen gesamtes Konstrukt zu erkennen ist.

Zwar bedeutet dies eine gewisse Eingewöhnungsphase in die Rollen und Strukturen, doch genau jenes Gefühl unvorbereitet hineingeworfen zu werden macht die moralische Fragwürdigkeit des Filmes aus. Wie in Le Carrés anderen Werken ist kein Charakter komplett schwarz oder weiß – eine These, die sogar innerhalb des Filmes aufgegriffen wird – und die Orientierungslosigkeit verstärkt eine Geschichte, die gegen Ende immer klarer und scheinbar überschaulicher wird. Der Erfolg des Publikums liegt darin, langsam alles zu erkennen, sodass gegen Ende eine fokussierte Geschichte vorliegt. Doch eben dieses Gefühl der Klarheit kann leicht durch einen Trailer, der die Handlung bereits komplett zusammenfasst, zerstört werden.

Ein Film, der nicht viel falsch macht

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A Most Wanted Man ist ein absolut solider Film, der sein Ziel immer klar vor Augen hat. Die Charaktere sind plausibel und interessant, die anfängliche Verwirrung wird gekonnt aufgelöst und letzten Endes ist es doch nicht so einfach, wie man vielleicht glauben will.

Einzig die Charaktertiefe bleibt etwas auf der Strecke. Durch die Erzählweise des Filmes dringen wir selten in die Charaktere ein und so lastet die gesamte Komplexität auf den Schultern der Schauspieler, die aus wenig viel herausholen müssen.

Zwar reicht es nicht für ein meisterhaft komplexes und doch minimalistisches Stück wie Tinker, Tailor, Soldier, Spy doch man kann niemandem der Schauspieler vorwerfen, einen halbherzigen Job gemacht zu haben.

Moviequation:moviequation a most wanted man

Verdikt:

Film: A Most Wanted Man
Rating: Empfehlenswert

User1.Wolfgang.Rating3.Recommendable.Frei.Small

A Most Wanted Man ist ein Film, der absolut alles erreicht, was er sich als Ziel setzt. Der größte Kritikpunkt mag sein, dass er nicht viel Neues bringt und dass die Charaktere womöglich etwas vielschichtiger gezeichnet sein könnten. Doch als solide inszenierter Thriller überzeugt der Film und auch wenn zu Beginn Verwirrung überwiegt, so schafft er es gekonnt gegen Ende fast schon banale Tätigkeiten unglaublich spannend zu inszenieren.

P.S.: Ein kleiner Kritikpunkt ist auch die Tatsache, dass der Film zwar in Hamburg spielt, jedoch Zivilisten automatisch auf Englisch fragen, wer gerade geklopft hat.

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Wolfgang Verfasst von:

Der Host des Flipthetruck Podcasts. Mit einem Fokus auf Science Fiction und Roboter sucht er ständig jene Mainstream Filme, die sich nicht als reine Unterhaltungsfilme zufrieden geben.

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