Cinderella

Disney bringt mit Cinderella den selbsternannten klassischen und zuckersüßen Märchenfilm zurück auf die Leinwand während es anscheinend verzweifelt versucht jede Form von Neuinterpretation oder Statements über die Selbstbestimmtheit der Frau so weit wie möglich von sich wegzudrücken.

Es war einmal…

…ein perfektes Mädchen (Lily James) in einer perfekte Familie, doch die perfekte Familie bricht durch den Tod der Eltern auseinander. Das perfekte Mädchen muss bei der bösen Stiefmutter (Cate Blanchett) und ihren bösen Stiefschwestern leben und die Drecksarbeit für sie machen. Doch sie lernt den perfekten Prinzen (Richard Madden) kennen und das perfekte Mädchen verliebt sich in den perfekten Prinzen und umgekehrt. Die böse Stieffamilie will das alles aber verhindern und am Ende heiratet das perfekte Paar und alle Bösen werden des Landes verwiesen oder sterben oder so…

Dulce de leche

CINDERELLA

Vacalin ist das argentinische Pendant zum allseits beliebten Nutella. Man verwendet es in Argentinien sowohl als Bezeichnung für eine kurze Jause, süßes Frühstück, kleiner Snack oder kaltes Abendessen. Das Besondere an Vacalin ist – abgesehen vom eher unpassenden Namen – die unglaubliche Süße die es hat, besonders im Vergleich zu unserem nougatbasierenden Nutella. Man kann kaum einen Teelöfel davon essen, geschweige denn ein ganzes Brot davon. Es ist so süß, dass es zum einen zuviel ist und zum anderen schon als Affront gegen den guten Geschmack zu sehen ist, falls man zuviel davon erwischt.

Cinderella ist die filmische Übersetzung von dulche de leche. Als Trailer ist es ja noch akzeptabel, der zeigt den kompletten Film in knappen drei Minuten. Doch als 112 Minuten langer Spielfilm ist er schwer auszuhalten. Kenneth Branagh hat vorgehabt das alte Märchen 1 zu 1 auf die Leinwand zu bringen und dies vortrefflich ausgeführt. Platz für Interpretationen, ganz zu schweigen von der ein oder anderen Erneuerung seit 1697, war von Disney wohl nicht vorgesehen. Der einzige Grund für eine neuerliche Verfilmung scheint auch eher dem Marketing und den folgenden Spielzeugverkäufen geschuldet sein. Sonst könnte man auch bei der 1950er Filmversion bleiben.

Ein zynischer Vorfilm

Mit Frozen hat man zum ersten Mal in der Geschichte der Disney-Märchen zwei Hauptdarstellerinnen gehabt. Natürlich musste sich eine verlieben, doch die andere hat ihr Recht auf Selbstbestimmtheit wahrgenommen. Der Film wurde zur Goldgrube und spielte weltweit 1.27 Milliarden Dollar ein (und da rechne ich noch nicht die später in den Kinos laufende Sing Along Version mit ein).*

Danach hat man mal die Gewässer getestet, ob man eine Geschichte mal von der anderen Seite her erzählen könnte und brachte Maleficent mit Angelina Jolie ins Kino (758 Millionen Dollar*). Doch der teilte die Kritiker eher und man hat sich anscheinend darauf geeinigt wieder ein klassisches Märchen mit klassischen Figuren ins Kino zu schupfen.

Disneys Filme werden von einem Vorfilm begleitet und bei Cinderella ist das Frozen: Partyfieber, ein furchtbar schlechter Kurzfilm über eine Geburtstagsparty. Es zeigt aber wo man eigentlich hin will mit seinen Rollenbildern und das kotzt mich an. Cinderella ist ein Charakter zu gut für Alles und im Endeffekt findet sie ihr Glück, weil der große blauäugige Prinz kommt und sie rettet. Schon klar, in den letzten 400 Jahren hat sich wenig verändert und eine Hülle von Charakter ist hilfreicher für kleine Mädchen sich an ihrer Stelle vorzustellen, doch ein bisschen mehr Selbstrespekt ist hier wirklich nicht zuviel verlangt. Patricia Arquette hat gerade in ihrer Oscarrede für die Gleichstellung der Frau plädiert und alle sind aufgesprungen und haben applaudiert aber sobald ein Film in die Kinos kommt, der sagt schönes Gesicht und schönes Kleid reicht um sich den reichen Mann zu schnappen, jubelt man ihm zu (93% auf RottenTomatoes**).

#TheDress

Helena Bonham Carters Auftritt als gute Fee ist das Einzige, das dem Film ein bisschen Quirk bringt. Sie muss den Kürbis zur Kutsche verwandeln und Salamander zum Dienstpersonal und Mäuse zu Pferden und den wahren Star des Filmes, die Gans zum Kutscher. Ehrlich, die Gans ist mein Lieblingscharakter.

Natürlich muss sie das zerrissene Kleid von Cinderella in eine wunderschöne Majestät von einem Kleid verwandeln. Doch davor erklärt ihr die gute Cinderella noch, dass das es sich um das Kleid ihrer toten Mutter handle und sie es nur repariert haben will, damit ihre Mutter bei ihr ist.

 

Hier das Originalkleid ihrer Mutter
Hier das Originalkleid ihrer Mutter

Die Fee ist von ihrer Gutherzigkeit natürlich total überwältigt. Das Ergebnis ist ein komplett neues Kleid, das mit dem alten nicht einmal mehr die Farbe gemein hat und endgültig die Botschaft des Filmes rüberbringt:

Ideen und Bedeutungen sind egal, Hauptsache man schaut gut aus und man findet einen reichen Mann.

Und hier das gleiche Kleid in einer anderen Farbe
Und hier das exakt selbe Kleid in einer anderen Farbe

Moviequation:

moviequation cinderella

Fazit (Michael):

Film: Cinderella
Rating:

User3.Leitner.Rating2.Lukewarm.Frei.Small
Lauwarm (2 / 5)

 

Der Film hat es weder verdient gesehen zu werden, noch dass man sich darüber aufregt. Wenn unter den Lesern fünfjährige Fans von Prinzessinnen sind, dann kann man sich Cinderella vielleicht antun, solange man danach ein Gespräch über die Rolle der

Frau führt.

*Daten für weltweite Einspielergebnisse von BoxofficeMojo.com

**Stand: 5.3.2015

Weitere Meinungen aus der Redaktion

Fazit (Patrick):

Film: Cinderella
Rating:

User2.Krammer.Rating2.Lukewarm.Frei_1Lauwarm (2 / 5)

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Patrick Verfasst von:

Autor, Editor und Podcaster er kann schon mal Blockbuster und Kunstfilme mögen, am Ende des Tages verliebt er sich aber meistens in die Indies. Wenn er einmal etwas in sein Herz geschlossen hat, verteidigt er es wie ein treuer Hund.