Die Gärtnerin von Versailles (engl. A Little Chaos)

Der weltberühmte britische Schauspieler Alan Rickman (unser Interview hier) setzt sich nach 17 Jahren Pause zum zweiten Mal in seiner Karriere auf den Regiestuhl, diesmal um in Die Gärtnerin von Versailles (engl. A Little Chaos) eine fiktive Hintergrundgeschichte zum berühmten Ludwig XIV. zu inszenieren.

Frankreich im 17. Jahrhundert: Die Landschaftsarchitektin Sabine De Barra (Kate Winslet) bekommt wider Erwarten den Auftrag zugesprochen, bei dem, von Ludwig XIV. (Alan Rickman) initiierten, Bau des Schlosses von Versailles einen Teil des Gartens zu entwerfen. Trotz anfänglicher künstlerischer Differenzen kommt sie schon bald ihrem Vorgesetzten André Le Notre (Matthias Schoenaerts) näher, der großen Liebe stellen sich aber viele Hindernisse in den Weg.

Es passiert nicht viel

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So uninspiriert wie sich diese Inhaltsangabe liest, läuft leider auch der Film zu meister Zeit ab. Es braucht keinen großen Genre-Kenner, um rasch zu erkennen, wo in diesem Liebesdrama die Steine auf dem Weg zum Happy End vergraben sind. De Barra hat als Witwe noch mit der Vergangenheit zu kämpfen, während Le Notre in einer absolut unfunktionalen Ehe mit Françoise (Helen McCrory) fest steckt. Die Lösungswege – mit der Vergangenheit abschließen auf der einen, endlich die Scheidung durchdrücken auf der anderen Seite – sind außerdem so nahe liegend, dass der Film die meiste Zeit damit ringt, eine Handlung zu finden, die die Lösung des Konflikts etwas hinauszögert.

Gefüllt wird diese Lücke mit einigen Redundanzen, wie der ständigen Annäherung der beiden Hauptfiguren, der viel zu oft implizierten schlimmen Vergangenheit de Barras oder den immer wieder kehrenden Ehekrisen der Le Notres. Wenn dann wirklich mal etwas passiert, wird man von Schlüsselszenen überhäuft. Gerade angesichts dieser dünnen Story schmerzt die nicht gerade schmale Laufzeit von knapp zwei Stunden sehr.

Der Sonnenkönig als Gute Nacht-Geschichte

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Zu diesen erzählerischen Schwächen kommen die zumindest bedenklichen Ausdehnungen des historischen Kontexts. Wer sich wundert, warum viele dieser Szenen geschichtlich so gar keinen Sinn machen wollen, darf beruhigt sein. Praktisch die komplette Geschichte dieses Filmes ist nämlich erfunden, insbesondere Sabine De Barra, die es in Wahrheit nie gegeben hat. Damit endet die historische Flexibilität von A Little Chaos aber noch nicht, denn Le Notre war zum Zeitpunkt des Filmes beileibe kein junger Schönling mehr, sondern befand sich bereits im satten Alter von 70 Jahren.

Wenn dieses Ausdehnen der historischen Tatsachen dem Herren Rickman schon so frei von der Hand geht, hätte man sich zumindest auch eine etwas übertriebenere Darstellung des heute als Sonnenkönig bekannten Ludwig XIV. gewünscht, den der Regisseur ja auch selbst darstellt. Stattdessen wird eine der berüchtigsten Personen der französischen Geschichte als lieber alter Mann dargestellt, der um Ehefrau trauert. Dieses zu Tode schreiben von Ludwig XIV. geht sogar so weit, dass Stanley Tucci zwecks Kuriosität einen exzentrischen Adligen verkörpern muss, der für den Plot selbst irrelevanter kaum sein könnte.

Der Feminismus des Senioren

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Viele dieser Kritikpunkte beziehen sich in erster Linie auf das von Alison Deegan verfasste Drehbuch, das wohl nur ein ganz ausgefuchster Regiemeister zu einem interessanten Film verarbeiten hätte können. Man merkt in A Little Chaos aber sehr schnell, dass hier kein solcher die Fäden zieht, was sich weniger durch krasse Fehlentscheidungen als durch ein stetiges Fahren auf der sicheren Spur widerspiegelt. Alles was hier passiert scheint man schon einmal gesehen zu haben und schreit geradezu nach einem Fernsehfilm, den man zwecks historischem Interesse eine Zeit lang verfolgt ehe man gelangweilt weiter schaltet.

Angesichts all dieser Mängel stellt man sich irgendwann die cineastische Sinnfrage. Tatsächlich ist nicht leicht zu erörtern, was Rickman oder auch Deegan an der Thematik so sehr fasziniert hat, dass sie einen Film daraus machen wollten. Die womögliche Antwort kommt relativ gegen Ende, als in einem sehr dramatischen Moment die Frauen des Königs-Hofes ihren Männern vis-a-vis stehen und De Barra in einer verwelkenden Blume die Metapher für eine alternde Frau findet. An ihre männlichen Konterparts richtet sie sogleich den Appell, auch in diesen eine Schönheit zu erkennen. Dieser “Feminismus” aus den Augen des 69-Jährigen Rickman ist zweifelsohne gut gemeint, wirkt aber angesichts aktueller Diskurse doch arg aus der Mode gekommen.

Fazit (Michael):

Film: A little Chaos
Rating:

User3.Leitner.Rating2.Lukewarm.Frei.Small
Lauwarm (2 / 5)

A Little Chaos ist das Paradebeispiel eines austauschbaren Kostüm-Liebesdramas. Die Story ist vorhersehbar, die Charaktere sind seicht, die Konflikte lassen sich nach fünf Minuten erahnen und in ebenso kurzer Zeit lösen. Der Film ist weit davon entfernt furchtbar zu sein, ist aber dennoch nur jenen zu empfehlen, die dieser Epoche sehr viel abgewinnen können oder mal wieder mit Oma ins Kino gehen möchten.

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