Captain America: Civil War

Weder nordische Götter, noch Aliens, noch Killerroboter konnten das Superheldenteam Avengers besiegen. Doch was externen Mächten nicht gelang, könnte nun eintreten, denn in Captain America: Civil War wird das Team von Innen heraus zerrissen.

© Marvel 2016

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Nachdem ein Einsatz der Avengers zu zivilen Opfern führt, beschließen die Vereinten Nationen, die Handlungen der Superhelden zu kontrollieren. Geplagt von vergangenen Fehlschlägen, die man in Avengers: Age of Ultron zu sehen bekam, lässt sich Tony Stark/Iron Man (Robert Downey Jr.) von diesem Vorschlag überzeugen. Steve Rogers/Captain America (Chris Evans) ist dieser Idee jedoch weit weniger angetan, denn die sichersten Hände sind laut Steve weiterhin die eigenen und eine derartige Kontrollinstanz könnte ihm verbieten dann einzugreifen, wenn er es für richtig hält.

All das wird verkompliziert, als der als Winter Soldier gefürchtete Bucky (Sebastian Stan) in Attentate verwickelt zu sein scheint, die die Sicherheit der Welt gefährden. Während Tony Stark den Winter Soldier als Staatsfeind sieht, ist Steve Rogers überzeugt, dass sein ehemaliger bester Freund Bucky sich noch irgendwo unter der Maske des Soldaten verbirgt. Mit der Entscheidung Bucky zu beschützen, stellt sich Captain America vor Iron Man und die Superhelden-Registrierung. Nach und nach müssen die Helden des gesamten Marvel Cinematic Universe (MCU) ihre Seite wählen in einem Konflikt, den niemand zu verhindern weiß.

Ein langer Weg und endlich Disziplin

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Captain America: Civil War ist der dreizehnte Film des MCU und ist einer jener Einträge in Marvels Filmographie, der das riesige Filmuniversum geschickt verwendet. Der Kontrast zwischen Iron Man und Captain America wurde bereits in den vorangegangenen Filmen ausgearbeitet und eskaliert hier logisch. Gleichzeitig schaffen es die beiden Regisseure Joe und Anthony Russo, den Fokus nie zu weit von den beiden Kontrahenten abschweifen zu lassen. Die Anzahl der Figuren ist nämlich derartig groß, dass man abgesehen vom Titel fast glauben könnte, hier handle es sich um einen neuen Avengers Film.

Doch wo in Age of Ultron und Guardians of the Galaxy der lustige Ton sich schwer mit der Dramatik vereinen ließ, hält sich Civil War überraschend zurück und bleibt zumindest bei den zwei Hauptcharakteren sehr ernst.

Bruderkonflikt ohne Schuld

Marvel's Captain America: Civil War L to R: War Machine/James Rhodes (Don Cheadle) and Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.) Photo Credit: Film Frame © Marvel 2016

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Natürlich können Helden nicht grundlos kämpfen, es braucht klarerweise einen Fadenzieher im Hintergrund. Und dieser ist hier Zemo (Daniel Brühl), der zwar wenig Zeit im Film ist, aber doch zu jenen Antagonisten gehört, deren Motivation und Plan durchaus plausibel sind. Dies mag sich nach wenig anhören, doch nach einer Unmenge an Monster, die mit magischen Steinen auf Planeten geschossen haben, ist Brühls Zemo ein unglaublich angenehmer Antagonist.

Der Hauptkonflikt bleibt die Streitfrage zwischen Steve und Tony um Bucky und die Motivationen der beiden Seiten sind absolut verständlich. Und auch wenn im dritten Akt das Blut und die Tränen fließen, und alles recht dramatisch inszeniert wird, erreicht Civil War nie die Höhe seines Potentials. Denn leider sind Buckys dunkle Taten ausschließlich das Produkt einer Gehirnwäsche, was schon in Captain America: The Winter Soldier die Luft aus dem metaphorischen “Bruderkonflikt” gelassen hat. Und so ist es umso schmerzhafter, wenn zentrale Entscheidungen offenbart werden, die reichlich Sprengstoff liefern. Denn so schlimm die Sünden von Bucky auch sind, er hat sie nie willentlich begangen. So kann sich Bucky zwar dramatisch die Schuld für die Katastrophe geben, doch am Papier ist er fein aus dem Konflikt und es gibt eine eindeutige Seite, die Recht behält.

Best and Worst of the MCU

© Marvel 2016

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Nach 13 Filmen hat Marvel natürlich schon den Dreh raus, wie man das riesige Universum erweitert und Civil War zeigt sowohl die größten Stärken als auch die größten Schwächen auf. Nebencharaktere wie Ant-Man (Paul Rudd) haben instantan die Publikums-Sympathie, wenn man den gleichnamigen Film gesehen hat. Die Einführung des mysteriösen Black Panthers (Chadwick Boseman) ist organisch und logisch und gibt dem Hin und Her zwischen Steve und Tony ein Element der Balance. Auch Nebencharaktere, die in Age of Ultron eingeführt wurden, erhalten logische Charakterentwicklungen.

Einzig bei der neuen Einführung des wohl größten Marvel Helden stolpert die Handlung. Denn durch einen Deal mit Filmstudio Sony kann nun Spider-Man (Tom Holland) auch im Marvel Universum vorbeischauen. Der Charakter von Spider-Man ist jedoch in diesem Film reiner Fanservice und ist lediglich für die Coolness zuständig. Er erfüllt keinen dramaturgischen Zweck, den nicht ein anderer Avenger übernehmen hätte können und wirkt gerade im Vergleich zu Black Panther unglaublich gezwungen.

Besonders der in den Trailern groß angekündigte Kampf am Flughafen zwischen den zwei Fraktionen ist zwar anfänglich spannend, verkommt aber recht schnell zu einer Aneinanderreihung von gezwungen coolen Shots, die die Schwere des titelgebenden Bürgerkriegs stark unterminiert. Umso erfreulicher ist dann die Tatsache, dass es sich hier endlich um einen MCU Film handelt, der im letzten Akt weniger auf spektakulär unspektakuläre Weltvernichtung setzt, sondern für Marvel Verhältnisse fast schon intim wird.

Der Beste Marvel Film seit Iron Man

© Marvel 2016

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2008 lieferte Marvel mit Iron Man einen absoluten Überraschungshit. Die Energie von Regisseur Jon Favreaus Film ist bis heute ein Hauptgrund für die Liebe zu Marvels Filmen. Mit Civil War haben die Russo Brüder genug Munition, um eine Dramatik in die Filme zu bringen, die schon lange verschwunden ist. Und auch wenn die Emotionen im dritten Akt das Publikum in den Sitz pressen, so bleibt Civil War letzten Endes doch zu sicher, um in der großen Liga (X-Men: Days of Future Past, The Dark Knight) mitspielen zu können.

Es bleibt trotz einer sehr positiven Kinoerfahrung ein leicht bitterer Nachgeschmack hängen, wenn ein Film so derartig viel richtig macht, aber trotzdem permanent die Studio Entscheidungen im Hintergrund sichtbar sind. Die Helden können zwar streiten, aber keiner darf wirklich irreversibel schlechte Entscheidungen treffen. Fehler der Vergangenheit können aufgebracht werden, wenn der Charakter dazu gezwungen wurde. Und Helden können in den Krieg ziehen, aber dieser muss weiterhin cool und lustig inszeniert werden.

Fazit (Wolfgang):

Film: Captain America: Civil War
(dt.: The First Avenger: Civil War)
Rating:

User1.Wolfgang.Rating4.Great_.Frei_1
Sehr Gut (4 / 5)

Mit Captain America: Civil War zeigt das Marvel Universum seine größten Stärken und Schwächen.Trotz vieler Figuren verliert die Handlung nie ihren Fokus und liefert eine emotionale und spannende Achterbahnfahrt, die den Kinobesuch mehr als wert macht.

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