Triple 9

Eine handvoll korrupter Cops schießen sich in einem atmosphärisch überladenen Thriller durch Atlanta. Triple 9 ist voller undurchsichtiger Figuren, bei denen jeder mal einen schwer verständlichen Akzent auspacken darf.

In Atlanta braucht es keine Kriminellen, denn die Verbrechen übernehmen die Polizisten gleich selbst. Marcus Belmont (Anthony Mackie) und Franco Rodriguez (Clifton Collins Jr.) rauben zusammen mit Michael Atwood (Chiwetel Ejiofor) und  Gabe Welch (Aaron Paul) Banken für die Matriarchin der israelischen Mafia (Kate Winslet) aus.

Um für den letzten großen Job genug Zeit zu bekommen, wollen sie den Polizeinotruf-Code 999 (Triple Nine = Officer down) inszenieren. Da passt es doch recht gut, dass Marcus mit Chris Allen (Casey Affleck) einen neuen Partner bekommt, der noch dazu mit dem Einsatzleiter Jeffrey Allen (Woody Harrelson) verwandt ist. Wenn Chris also eine Kugel abbekommen würde, wäre die Polizei abgelenkt. Lange genug, damit das Team seinen Überfall ungestört durchführen kann.

Man kennt sie alle. Winslet, Harrelson, Affleck, Mackie, Paul, Gadot, den Typen von Walking Dead und natürlich den Albtraum der schreibenden Zunft Chiwetel Ejiofor. Ob man so viele große Namen gebraucht hätte, oder es doch ablenkt? Gal Gadot ist hier nicht mehr als eine fesche Frau, die durchs Bild läuft, Aaron Paul spielt mal wieder einen Süchtler und Norman Reedus ist so wenig im Film, dass die Rolle von jedem übernommen werden hätte können.

A Bisserl viel

© 2016 Wild Bunch Germany GmbH

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Wenn sich die Handlung verwirrend anhört, dann, weil sie es ist. Triple 9 baut die Konflikte und Twists zwar langsam und logisch auf, ist aber von Expositionsgesprächen abhängig. Problem nur, dass sich Woody Harrelson und Casey Affleck so tiefe Südstaaten-Dialekte zugelegt haben, dass True Detectives Rust Cohle wie der korrekte Englischlehrer einer Volksschule wirkt. Da hilft auch der wenig brauchbare russisch-israelisch-amerikanische Dialekt der bösen Kate Winslet nichts, die obendrein noch ihren Neffen, den Sohn von Chiwetel Ejiofor und Gal Gadot, als Geisel nimmt.

John Hillcoat übernimmt sich hier etwas mit der Handlung, was am Ende den Figuren schadet. In Triple 9 verstecken sich mehrere Filme mit mehreren Protagonisten. Das führt dazu, dass alle anderen Figuren reine Stereotypen sind. Aaron Paul von Breaking Bad ist mal wieder der Drogenjunkie vom Dienst, Clifton Collins Jr. und Kate Winslet sind nichts weiter als das Böse und über Gal Gadots Rolle reden wir am besten erst gar nicht. Die Tiefe mancher Figuren kollidiert brutal mit der Oberflächlichkeit anderer und auch die komplizierte Handlung reibt sich an einigen furchtbar altmodischen Klischees auf.

Man spürt die Stadt

© 2016 Wild Bunch Germany GmbH

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Bei all den Problemen die Triple 9 hat, sind es aber die guten Dinge, die in Erinnerung bleiben. Hillcoat steigt gleich mit einem Raubüberfall in den Film ein, der den Ton angibt. Schnell, hart und ohne Rücksicht auf Verluste geht es zur Sache. Die Musik von Atticus Ross brummt vor sich hin – mehr Sicario als Hans Zimmer – und die Figuren sind oft in Neonfarben getaucht. Das Farbenspiel und die Kamera von Nicolas Karakatsanis erzeugen schöne Bilder und die Actionsequenzen sind ein Highlight. Mit Action werden hier Geschichten erzählt und Figuren weiterentwickelt, während der Zuschauer am Ärmel gepackt und durch die Szene gezogen wird, ob er nun will oder nicht.

Der Film wird in Triple 9 zum eigenen Charakter, so wie Los Angeles in Drive. Man spürt die hohen Temperaturen, sieht die Aussichtslosigkeit der Gangmitglieder. Polizisten tun gerade so viel, um nicht zum Ziel zu werden. Ein Machtgefüge, das nicht verändert werden darf, liegt über Atlanta. Korruption an allen Ecken und Enden. Alles in ein neonfarbenes Rot getaucht.

Fazit (Patrick)

Film: Triple 9
Rating:

User2.Krammer.Rating3.Recommendable.Frei

Empfehlenswert (3 von 5)

Triple 9 balanciert auf einem schmalen Grad zwischen unterhaltsam und zu viel. Die Gegensätze von tiefgründigen und stereotypischen Figuren, von überladener Handlung und Klischees lassen einen etwas ratlos zurück. Es sind aber andere Elemente des Filmes, die in Erinnerung bleiben. Gute Action, Farben, eine Atmosphäre, die sich langsam wie ein Schatten über einen legt und im Nachhinein den Eindruck hinterlassen, man hätte sich nie gelangweilt.

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