Lou Andreas-Salomé

Die nach der Protagonistin benannte Verfilmung des Lebens von Philosophin Lou Andreas-Salomé ist ein wenig ambitioniertes Malen-nach-Zahlen-Biopic, das nur für Wikipedia übertrüssige Interessierte empfehlenswert ist.

Über kaum ein Film-Genre lassen sich so tief greifende, kontroverse Diskussionen führen wie über jenes der Biopics. Steve Jobs, Moneyball und Selma sind zweifelsohne ambitionierte, qualitativ hochwertige Streifen, ihr moderner Ansatz stößt so manchem Beobachter aber sauer auf. Dass Danny Boyles Charakterstudie sich mit philosophischen Fragestellungen mehr beschäftigt als mit einer bis ins Detail korrekten Darstellung des berüchtigten Apple-Genies muss freilich nicht jedem gefallen.

Doch was ist die gewünschte Alternative? Ein Zurück zu den ebenso korrekten wie emotional distanzierten Faktenauflistungen a la Gandhi? Zumindest Regisseurin Cordula Kablitz-Post scheint dieser traditionellen Erzählweise eher zugeneigt. In Lou Andreas-Salomé erzählt sie die Geschichte der berühmten feministischen Philosophin in denkbar klassischer Weise. Die mittlerweile über 70 Jahre alte Lou erzählt kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges dem Biographen ihre Lebensgeschichte – von Anfang an versteht sich.

Der Stoff wäre da

salom2

Nach der etwas schwierigen Kindheit ist das frühe Leben von Louise (Katharina Lorenz) nicht zuletzt von der Ablehnung jeglicher körperlicher Zwischenmenschlichkeit geprägt. Von Hendrik Gillot (Marcel Hensema) über Friedrich Nietzsche (Alexander Scheer) bis hin zu Rainer Maria Rilke (Julius Feldmeier) lässt sie so manche der größten Denker ihrer Zeit abblitzen. Beeindruckt ist die Männerwelt vor allem von ihrem großen Intellekt, der philosophischen Kompetenz sowie der Kaltschnäuzigkeit mit der sie sämtliche Geschlechterklischees hinter sich lässt.

All das ist eigentlich Stoff für mehr als nur einen höchst interessanten Film. Wie unangenehm und zugleich spannend könnte etwa eine Darstellung des Gefühls sein, sich als Intellektuelle in einer Frauenwelt wiederzufinden, die ernste Themen nur möglichst oberflächlich behandeln möchte? Oder wie kontrovers und hochaktuell wäre die Fragestellung, ob frei gewählte, unreligiöse sexuelle Enthaltsamkeit jemals ganz ohne auslösende Traumata möglich wäre?

Eh brav gemacht

salom1

Diese Themen werden zwangsläufig natürlich angesprochen, scheinen Kablitz-Post aber auch nicht mehr zu interessieren als all die anderen fleißig abzuarbeitenden Lebensabschnitte. In diesem Zwang, möglichst viele Ereignisse in knapp zwei Stunden Laufzeit hinein zu pressen, gehen vermeintlich essentielle Elemente wie ein erkennbarer Bogen verloren. Am Ende gibt es zwar einen Mini-Twist, der das Ganze irgendwie zusammenhält, aber wirklich stimmig wird der Film dadurch nicht.

Dabei ist Lou Andreas-Salomé eigentlich ganz brauchbar produziert, die Schauspieler sind ebenso ordentlich wie die technischen Facetten. Selbst die Dialoge passen im Großen und Ganzen, auch wenn der ein oder andere historisch wichtige Satz ein bisschen hineingewürgt wird. Aber der ganzen Konzeption des Films scheint es einfach an jeglicher Ambition in cineastischer Hinsicht zu fehlen. So ist dieses Biopic keineswegs unanschaubar, aber einen wirklich guten Grund ihn dem Wikipedia-Artikel vorzuziehen, gibt es nicht.

Fazit (Michael):

Film: Lou Andreas-Salomé
Rating:

User3.Leitner.Rating2.Lukewarm.Frei.Small

Lauwarm (2/4)

Lou Andreas-Salomé präsentiert ein sehr klassisches, uninspiriertes Faktenherunterbeten in Spielfilm-Form. Wer unbedingt über das spannende Leben der Philosophin erfahren will, kann ihn sich natürlich ansehen. Oder auf Wikipedia gehen.

Sharing is Caring:
Michael Verfasst von:

Autor, Editor, Public Relätions Michael ist der Arthouse Hipster des Teams, dessen Korrektheit und ruhige Art dafür sorgen, dass die Diskussionen immer fair bleiben und Beleidigungen nur zulässt, wenn sie mit Fakten belegt werden können.

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.