Kingsman: The Golden Circle

Im zweiten Teil der Kingsman-Reihe wird aus einer Satire der Roger Moore Bondfilme ein Möchtegern ironischer Pierce Brosnan Abklatsch, oder: Wir mochten Kingsman schon nicht als es noch nicht cool war.

Vor 13 Jahren kam Layer Cake in die Kinos. Ein Film, der nicht nur Daniel Craig zu James Bond machte, sondern der Welt auch Matthew Vaughn vorstellte. Wir durften uns große Dinge erwarten. Vaughn fing in weiterer Folge an, Comics zu adaptieren und landete mit Kick Ass auch bei den Kritikern einen Riesenerfolg, doch die Fortsetzung durfte er nicht mehr machen. Bei Kingsman schaut die Sache anders aus, der erste Teil war wieder erfolgreich (unsere Eindrücke gibt es hier zum Nachlesen und hier zum Nachhören) und dieses Mal lässt ihn Twentieth Century Fox auch bei der Fortsetzung ran.

© 2017 Twentieth Century Fox

Erinnert ihr euch an das Ende von Kingsman? Ihr wisst schon, als Eggsy (Taron Egerton) als Belohnung der Rettung der Welt Analsex mit der schwedischen Prinzessin versprochen wurde? Wie sich herausstellt, geht Liebe nicht durch den Magen und so sind die beiden jetzt zusammen. Dem großen Glück steht aber der mysteriöse Golden Circle im Weg, also die selbstironische Variante von Spectre. Angeführt von Poppy (Julianne Moore), einer Liebhaberin der 50er Jahre, soll die Erpressung der Welt durch vergiftete Drogen zur Legalisierung ebenjener führen. Davor werden aber die Kingsmen zerstört, was zur Folge hat, dass die letzten Überlebenden Eggsy und Merlin (Mark Strong) zu ihren amerikanischen Cousins den Statesmen flüchten müssen.

141 Minuten ohne Sinn und Ziel

Was folgt ist eine Ansammlung von unmotivierten, CGI-überladenen Actionszenen und Subplots, die im besten Fall unnötig, im schlimmsten Fall aber das bissl Gravitas, das der erste Teil hatte, zerstören. So muss Eggsy nach der ersten Actionsequenz durch den Abfluss zurück nach Hause schwimmen, um rechtzeitig bei der Geburtstagsparty seines Stonerfreundes zu sein. Oder sie versuchen Harry (Colin Firth; Was? Ihr dachtet, er sei tot, nur weil er im ersten Teil einen Kopfschuss abbekommen hat? They got us fooled!) daran zu erinnern, dass er eigentlich ein Kingsman ist.

© 2017 Twentieth Century Fox

Der erste Teil war ein satirischer Blick auf die übertriebenen Bondfilme der 80er, mit ultrabrutalen Actionsequenzen und obszönen Witzen. Jetzt war der Humor nicht jedermanns Sache, aber es gab immerhin objektiv gute Elemente. Ich würde sagen, Kingsman war ein langweiliger Film mit einer der besten Actionszenen der letzten Jahre in der Mitte. Und Kingsman: The Golden Circle ist ein langweiliger Film mit den langweiligsten Actionszenen der letzten Jahre überall im Film verteilt. Alle fünf Minuten muss herumgeschossen oder sich geprügelt werden, oder es wird ein Zimmer überflutet. Und wenn das noch nicht genug ist, dass gibt es eine Actionszene mit Elton Fucking John!

Vaughn hat bereits mit seinem zweiten Kingsman sein persönliches Die Another Day geschaffen. Kingsman 3 müsste dann nach dieser Logik ein gritty Reboot á la Casino Royale werden.

Der Peilsender und die Vagina

In einer geradezu süßen Szene muss sich Eggsy die fesche blonde Freundin (Poppy Delevingne) des Handlangers aufreißen, um ihr einen Peilsender unterzujubeln. Aber in ihrer Vulgarität haben die Amis den Sender so gebaut, dass er vaginal verabreicht werden muss. Und so folgt die Kamera dem Finger in Nahaufnahme bis ins rote Höschen und dann weiter bis zur Schleimhaut. Wenn das kein erbärmlicher Schrei nach Aufmerksamkeit von Vaughn ist, dann weiß ich auch nicht.

© 2017 Twentieth Century Fox

Das Problem mit Kingsman: The Golden Circle ist nicht, dass er aufregt, sondern, dass er so unglaublich langweilig ist. All die großen Schauspielernamen, die vom Poster runterlachen, waren maximal einen Tag am Set und gingen dann mit ihrem Scheck nach Hause. Jede Szene wird mit überbordenden CGI-Effekten emotions- und spannungslos und bei 141 Minuten Laufzeit, findet man ohne Probleme 40 Minuten zum Schneiden. Dieser Teil wird nicht so gut ankommen und die Leute werden ihre Meinung zum ersten Teil hinterfragen, nur wir nicht, wir fanden den ersten Teil schon fad, als es noch nicht cool war.

Fazit (Patrick)

Film: Kingsman: The Golden Circle
Rating

Lauwarm (2 von 5)

Fans vom originalen Kingsman bekommt das gleiche noch einmal serviert, nur länger und langweiliger, ganz ohne herausragenden Sequenzen. Kingsman: The Golden Circle ist keine Katastrophe, sein Verlangen aufzuregen ist schon irgendwie niedlich, aber die wenigsten Besucher und Besucherinnen werden Spaß haben.

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Patrick Verfasst von:

Autor, Editor und Podcaster er kann schon mal Blockbuster und Kunstfilme mögen, am Ende des Tages verliebt er sich aber meistens in die Indies. Wenn er einmal etwas in sein Herz geschlossen hat, verteidigt er es wie ein treuer Hund.

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