A Ghost Story

Trauriges Grübeln unter dem Laken.

Einen kleinen Film wollte Regisseur David Lowery machen, nachdem er bei Pete’s Dragon die Disney-Millionen verwaltete. Ein kleiner Film ist es am Ende auch geworden, kompakt in der Länge, zurückgenommen in der Machart und eng bemessen auf der Bedeutungsebene. A Ghost Story ist aber keinesfalls belanglos, sondern vielmehr ein zarter Diamant, den man vorsichtig und behütend mit sich herumträgt.

Die Handlung ist schnell erklärt. M (Rooney Mara) und C (Casey Affleck) lieben sich, aber C stirbt bei einem Unfall. Vom Leichentuch umhüllt und mit zwei Aussparungen als Augen, steht C wieder auf, um als Geist dem weiteren menschlichen Treiben zuzusehen. M trauert, während C sie still beobachtet.

Langlebig wie ein Polaroid

Zu Beginn noch glücklich vereint: Rooney Mara und Casey Affleck in “A Ghost Story” – © Universal Pictures

Abgesehen vom ein oder anderen Zeitsprung, der im weiteren Verlauf den Film erreicht, war es das auch schon wieder in Sachen Handlung. Auch in der Bildgestaltung wählt Lowery einen bewusst kargen Ansatz. Die Kamera fängt nahezu quadratische Bilder ein, deren Ecken abgerundet sind. Es fällt schwer, keine Assoziation zu Polaroidkameras zu ziehen, zudem immer ein leicht verwaschener Filter über dem Gezeigten zu liegen scheint. Über die hoffnungslose Ambition, das Leben als ewigen Moment festzuhalten, handelt schließlich auch der Film.

Zunächst wird dafür die einmal mehr großartige Rooney Mara als trauernde Witwe gezeigt. Ebenso simpel wie großartig ist eine minutenlange Einstellung, in der M einen Kuchen verspeist. Mit der Süßspeise in der Hand, sitzt sie am Küchenboden, isst erst ruhig und wird dann in ihrem Verschlingen zunehmend wütender, manischer. Am Ende springt sie auf, um sich am Klo der riesigen Kuchenmenge zu entledigen. Es ist eine sehr simple Szene, die aber auch von inszenatorischen Mut zeugt. Einfach nur die Kamera drauf zu halten, kann oftmals banal oder im schlimmsten Fall sogar voyeuristisch wirken. Dank Maras nuanciert-verzweifelten Spiel aber entsteht eine irrsinnig ungute, traurige Atmosphäre.

Schön inszeniertes Luxusproblem

Der stille Beobachter im Hintergrund: Casey Affleck und Rooney Mara in “A Ghost Story” – © Universal Pictures

Die Trauerarbeit der Hinterbliebenen ist allerdings nur einer der Blickwinkel, aus denen A Ghost Story das Thema Tod beleuchtet. Im weiteren Verlauf geht es vor allem um C’s eigenes Loslassen. Seinen eigenen, ewigen Seelenfrieden suchend, geistert er wortwörtlich durch Zeit und Ort, nur um irgendwie diese verteufelte Frage zu beantworten: “Was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr da bin?”. Bei der entsprechenden Erörterung wagt sich der Film gegen Ende sogar handlungstechnisch aus der Komfortzone, fordert die Synapsen noch zu etwas Denkarbeit heraus. All das ist wirklich schön und zurückhaltend gemacht, schade ist lediglich der Monolog eines willkürlichen Charakters etwa zur Hälfte der Spielzeit. Hier wird uns quasi wortwörtlich der Film erklärt, was angesichts der ohnehin sehr deutlichen Bedeutungsebene nicht notwendig gewesen wäre.

Das Gesamtbild schmälert das allerdings kaum, A Ghost Story ist und bleibt ein absolut kleiner, aber auch wertvoller Film. Es sei jedoch gewarnt, dass er bei weitem nicht jeden erreichen wird. Bei der Kuchenszene oder den anderen vielen, langen Einstellungen wird der ein oder andere Zuseher verständlicher Weise aussteigen. Wer hierfür ins Kino geht, muss die Bereitschaft aufbringen, sich auf den Film voll und ganz einzulassen. Außerdem ist die Thematik als verhältnismäßig unzugänglich einzustufen. Was von uns überbleibt, wenn wir mal weg sind, ist eher eine Überlegung für besonders gute Zeiten. Wer wirklich ums Überleben kämpft oder sich mit bedrohlichen Krisen konfrontiert sieht, hat für dieses klassische Künstlerproblem womöglich wenig Verständnis.

Fazit (Michael):

Film: A Ghost Story
Rating:

Sehr Gut (4 von 5)

A Ghost Story ist ein karger, aber schöner Film über Tod, Trauer und spirituelles Erbe. Er zeigt außerdem einmal mehr, was für eine herausragend gute Schauspielerin Rooney Mara eigentlich ist.

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