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Ready Player One

Die Welt steht vor dem Untergang… und nur Steven Spielberg kann sie in Ready Player One mit einem Haufen 80er Referenzen retten.

Dass die Zukunft nicht immer schön ist, erlebt Wade Watts (Tye Sheridan) am eigenen Leib. Um die triste Realität nicht ertragen zu müssen, flüchtet die Menschheit regelmäßig in die digitale Welt, die man unter dem Namen OASIS kennt.

Unter dem Namen Parzival bekannt, beteiligt er sich an einer weltweiten Rätselrally. Denn James Halliday (Mark Rylance) der Schöpfer von OASIS hat nach seinem Tod die Zukunft der digitalen Welt in die Hände der Spieler gelegt. Wer drei Aufgaben meistert, dem soll OASIS gehören.

Dass nicht jeder zum Spaß an dieser Jagd mitmacht, wird Wade schnell klar, als er die erste Aufgabe von Halliday meistert und damit ins Visier der riesigen IOI-Corporation gerät. Deren Chef Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn) setzt alles daran, um OASIS an sich zu reißen und IOI damit zum Marktführer zu machen – und dabei sind Nolan alle Mittel recht.

Nostalgie und Nostalgie

Bei Hallidays Rätsel handelt es sich aber um keine gewöhnlichen Denksportaufgaben. Alle Tests der Spieler drehen sich um Popkultur der 80er (und 90er) Jahre. So muss man Arkaden-Games meistern, das Hotel von The Shining besuchen oder mit dem Auto von Zurück in die Zukunft dem T-Rex aus Jurassic Park entgehen.

Flip the Truck | DeLorean | Ready Player One

Mit dem DeLorean aus “Zurück in die Zukunft” geht es in ein Wettrennen voller 80er Referenzen – Ready Player One © Warner Bros.

Am Papier klang diese Prämisse für mich nach einem Film, den ich tunlichst vermeiden wollte, denn der aktuelle Nostalgie-Boom um die 80er ist leider viel zu oft reiner Selbstzweck. So kann ich Stranger Things zwar schauen, aber abgesehen von einer wohligen Erinnerung an bessere Filme gibt mir der Nostalgietrip wenig neues.

Umso überraschter war ich, als mich Ready Player One von der ersten Minute an mitriss. Und das liegt nicht an den unzähligen Referenzen mit denen die Zuschauer von der ersten Minute visuell und auditiv (ich sage nur “Jump” von Van Halen) bombardiert werden, sondern an der Energie mit der Spielberg die Geschichte erzählt. Die Referenzen gibt es zwar zuhauf, doch für den Großteil fördern sie auch die Story. Dasselbe gilt für den Soundtrack von Altmeister Alan Silvestri, der aus einem anderen Jahrzehnt stammen könnte und trotzdem fantastisch funktioniert.

Matrix ist schon lange her

Wir sind schon weit gekommen seit Keanu Reeves 1999 ganz verblüfft feststellen musste, dass die Realität ein Computerprogramm sein könnte. Mittlerweile herrscht kein Erklärungsbedarf, wenn sich Wade die Brille aufsetzt und als Parzival in die OASIS eintaucht. Dasselbe gilt für die Akzeptanz der digitalen Welt. Die OASIS funktioniert nach dem Google und Facebook Prinzip – Daten und Werbung sind alles und genau deshalb ist Antagonist Nolan so versessen auf die Rechte am digitalen Refugium.

Flip the Truck | Ready Player One | Virtual Reality

Menschen im virtuellen Hamsterrad. Wade Watts (Tye Sheridan) taucht in die digitale Welt ein – Ready Player One © Warner Bros.

Die brandaktuelle Thematik hilft dem Film trotz Nostalgieschiene, eine eigene Stimme zu entwickeln. Wade erlebt die OASIS als Refugium zur Selbstverwirklichung und dichtet der digitalen Landschaft eine Reinheit an, die er in der realen Welt nicht zu finden vermag. Seinen besten Freund Ache (Lena Waithe) hat er nie im echten Leben getroffen und trotzdem verbindet sie eine Freundschaft, die real ist.

Und als die mysteriöse Art3mis (Olivia Cooke) auftritt ist Wade ganz von den Socken, obwohl er nicht einmal weiß, wer sich hinter dem schön gerenderten Avatar befindet. Spielerisch wirft Ready Player One mit Identitätsfragen um sich, während die Figuren ihren Platz in der Welt suchen. Dass Art3mis im echten Leben natürlich allen Hollywoodnormen für ein Love-Interest entspricht, ist dann leider eine vergeudete Chance, doch zumindest traut sich der Film mit den Nebenfiguren etwas mehr.

Die Menschlichkeit im Digitalen

Dass sich Ready Player One nicht im Zitate-Urwald verirrt, liegt an einem überraschend fokussierten Drehbuch von Zak Penn und Ernest Cline, auf dessen Buch diese Adaption basiert. Anstatt die Zitate abzuklappern, nimmt sich das Drehbuch mit jedem Rätsel Zeit die Geschichte von OASIS Schöpfer Halliday zu erweitern. Wade, Art3mis und ihre Kumpanen müssen nicht nur Wissen testen, sondern die Moral hinter Hallidays Lebenswerk verstehen. Und so wird die Jagd nach versteckten Easter Eggs, die den Weg zu Hallidays Erbe erschließen, zu einer klassischen Selbstfindungsgeschichte, die Schale für Schale die melancholische Geschichte von Halliday ergründet.

All das wird von Spielberg mit gewohntem Pathos inszeniert.

Go Spielberg!

Es gibt wohl wenige Filme, die so maßgeschneidert für einen Regisseur sind. Es ist kaum vorstellbar, wie ironisch und Dreamworks-ähnlich diese Adaption ausarten hätte können, doch Spielberg hat stets die Emotionen des Publikums im Auge, gibt uns genug 80er Referenzen, um die Nostalgiker glücklich zu halten, hält aber die Story gekonnt auf Kurs.

Schon die erste Verfolgungssequenz ist ein Testament für die inszenatorischen Kenntnisse des Regisseurs. Ein unsagbar überladenes Rennen mit Tyrannosaurus, rotierenden Straßen und King Kong wäre unter Michael Bay zum komplett unfokussiertem Bildgewitter verkommen. Doch hier steuert die Kamera stets geschickt mit den Protagonisten im Fokus durch das Chaos – das Adrenalin schnellt hoch und der Spaß kann beginnen.

Fazit (Wolfgang):

Film: Ready Player One
Rating:

User1.Wolfgang.Rating4.Great_.Frei_1
Sehr Gut (4 / 5)

Ich wollte einfach nur einen Blockbuster sehen und gab Ready Player One lediglich wegen Spielberg die Chance trotz Furcht vor einer 80er Referenz-Parade. Was ich bekam war ein überraschend berührendes und packendes Abenteuer, das mich nicht loslässt und das ich unbedingt noch einmal erleben will.

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