Shirkers

Der mysteriöse Independent-Film mit 25 Jahren Verspätung.

Auf dem damals sehr beschaulichen Singapur, einem Inselstaat vor Malaysia, haben sich Anfang der 90er ein paar jugendliche Mädels in den Kopf gesetzt, einen Film drehen zu wollen. Die surreale Crime-Story Shirkers hätte wohl das Potential zum Kultfilm gehabt, wurde aber nie veröffentlicht. 25 Jahre später erzählt Sandi Tan in der gleichnamigen, von Netflix produzierten, Dokumentation die Geschichte ihres gescheiterten Filmprojekts.

Welche Rolle Georges Cardona, der mysteriöse Lehrer einer kleinen Filmschule, spielt und warum das Archivmaterial stets mit Musik unterlegt wird, soll an dieser Stelle allerdings gar nicht verraten werden. Das Aufklären all dieser Geheimnisse ist schließlich das Momentum, von dem Shirkers zehrt.

Mit voller Leidenschaft ins Scheitern

Der undurchschaubare Lehrer: Georges Cardona in der Netflix-Doku “Shirkers” – © Netflix

Noch viel interessanter als die Geschichte selbst sind allerdings die zahlreichen komplexen Implikationen, die sich daraus ergeben. So kann man Sandi Tans verspäteten Debütfilm etwa ohne weiteres als Liebeserklärung an das Medium Film lesen. Immerhin haben sich die jungen Mädels back in the days die verrücktesten Apparate gebaut, um irgendwie illegal an US-Filme zu gelangen. Und auch mit welcher Ernsthaftigkeit an das große Projekt herangegangen wurde, ist schlichtweg inspirierend.

Zunehmend entspinnt sich so aber auch eine Erzählung über Freundschaft, die keineswegs kitschig, aber umso authentischer ist. Die nun erwachsenen Frauen reflektieren ehrlich über die Brüche zwischen einander – nur um ebenso ehrlich festzustellen, dass einschneidende Erlebnisse auf zugleich schöne wie traurige Weise vermeintlich entfremdete Menschen dauerhaft zusammenschweißen.

Ganz nebenbei nachdenklich

Unwiderstehlich sympathisch: Sophia Siddique Harvey (links) und Sandi Tan in der Netflix-Doku “Shirkers” – © Netflix

Man könnte auch noch über Kunst als Mittel der Selbstidentifikation diskutieren und manch einer mag hier sogar ein feministisches Manifest erkennen. Doch wenn Shirkers nur eine Sache ist, dann ist es schlichtweg eine Selbsttherapie der Filmemacherin. Einst dramatisch gescheitert, überwindet sie sich dazu, ihre eigene Vergangenheit noch einmal genau zu hinterfragen und schafft so einen wichtigen Sprung in der persönlichen Entwicklung.

Dass eine derart persönliche Dokumentation gut funktioniert, ist ein seltenes Phänomen. Tan gelingt es mit ihrer sehr ehrlichen, authentischen Art sowie einigen unüblichen Entscheidungen. Immer wieder wirft sie Elemente in den Mix, die fast deplatziert wirken, im Kontext aber dem Surrealismus des nie vollendeten Projektes gerecht werden. So bleibt am Ende ein Film, der viele spannende Fragen aufwirft, obwohl oder vielleicht gerade weil er es gar nicht darauf anlegt.

Fazit (Michael)

Film: Shirkers
Rating:

Sehr Gut (4 von 5)

Shirkers ist ein sehr persönlicher Dokumentarfilm, der ganz ungezwungen tief gehende Fragen aufwirft und viele Zuseher noch lange begleiten wird. Der Film ist auf Netflix zu sehen.

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