Tricky Women 2017: Ein Rückblick

Beim Tricky Women suchen wir den nächsten World of Tomorrow.

Seit 2001 gibt es Tricky Women. Ein Festival, das animierte Kurzfilme zeigt, ihnen Raum gibt und sie feiert. Dieses Jahr war nicht anders und unter dem Schwerpunkt Japan gab es Workshops, drei eigene Japan Shorts und eine verdammt creepy Maske zum Selber basteln (Sogar ich hab sie zusammenbauen können).

Im kuschligen Metrokino fand der Hauptbewerb statt. Alles in allem waren 40 Filme mit dabei, die von Kunstfilm bis Komödie, von gesellschaftskritisch bis abstrakt, Stop-Motion, traditionell gezeichnet oder auch Performance-artig (von der Österreicherin Anna Vasof, aber zu ihr kommen wir noch).

Mit Animationsfilmen können die Künstlerinnen Dinge und Gefühle ausdrücken, wie mit kaum einen anderen Medium. Abstrakter Symbolismus wird in Spielfilmlänge schnell mal langatmig, nicht ernstgenommen (wie bei Lost River) oder tief in einer seichten Geschichte versteckt (wie bei Pacific Rim, der mit Farben Geschichten erzählt). Doch bei Tricky Women werden Dinge angesprochen, die man in Spielfilmlänge nicht erzählen könnte. Entweder aufgrund der Thematik oder der Animationstechnik.

Der Vogel und ein Terrence Malick

Das erste Highlight war Hold me (Ca Caw Ca Caw). Ein Riesenvogel, in einer Beziehung mit einem nackten Mann, der selbst ausschaut wie ein Riesenpenis. Die einzige Lichtquelle ist der flimmernde Fernseher, vor dem es sich der Mann immer gemütlich gemacht hat. Sie (der Vogel) sucht den Weg raus aus dem kleinen Zimmer, will den Mann aber nicht im Stich lassen. Und so entwickelt sich ein Spiel um gegenseitige Abhängigkeiten, das zwischen schmerzhaft und total schräg hin und her hupft, sich nicht zu sehr in der Abstraktion verliert und saukomisch ist.

© Mila Fog/Marta Prokopová

Wenn es um schöne Animation geht, ist der slowakische Mila Fog wohl ganz weit vorne. Ein Körper geht durch den Wald, es ist nicht sicher ob die Bäume animiert sind oder echt, so gut ist es animiert. Die nächsten elf Minuten erinnern ganz stark an einen der neuen Malick Filme: schöne Bilder, Flüstern und am Ende kaum Substanz. Auf elf Minuten kondensiert überwiegt aber noch die Freude an den optischen Eindrücken.

Die Österreicherinnen

Bei der österreichischen Künstlerin Anna Vasof geht es mehr um das Wie, als um das Was. In ihrem Kurzfilm Trilogy of Leaving animiert sie Bewegungen auf drei unterschiedliche Arten und zwischendurch denkt man sich, was das eigentlich soll. Zumindest bis die Animation dann ersichtlich wird.

Was das eigentlich soll, fragt man sich bei Michaela Mandels The Hungry Sisters dafür leider durchgehend. Die Animation ist eine spannende Mischung aus Fotografie und animierter Umgebung. Die Story ist eine alte Geschichte der Gebrüder Grimm, in der eine Mutter ihre Töchter töten und essen will. Nur leider wird das so lange hinausgezögert, dass ein erleichterter Seufzer durch den Pleskow Saal im Metro ging, als endlich die Credits kamen.

Pussy riots in Russia

Dass die Animation nicht immer im Vordergrund stehen muss, zeigt der lustigste und charmanteste Film beim Tricky Women. Renata Gasiorowskas Cipka/Pussy ist eine im wahrsten Sinne des Wortes liebevolle Ergründung der weiblichen Sexualität. Dabei macht sich die Sexualität einer jungen Frau selbstständig auf der Suche nach dem Glück. Der Film wurde am Ende mit dem Sawczynski-Publikumspreis ausgezeichnet.

© Kukushka/Dina Velikovskaya

Der russische Film Kukuschka von Dina Velikovskaya lebt dafür von seiner Animation. Ein Beduinenvogel folgt jeden Tag der Sonne und steht am Ende des Tages dort, von wo er losgegangen ist. Auf einmal ist das Vogelweibchen nicht mehr allein und muss sich auch noch mit einem Küken herumschlagen. Der Film ist super animiert und gibt auch emotional einiges her, aber glaubt nicht nur mir, sondern auch der Jury, die Kukuschka den Hauptpreis verliehen hat:

Jury’s statement:

The award winning film convinced us because of its technique, its content and emotionally. The very skillful stop-motion-film works with simple but effective means creating a very unique atmosphere. One can identify with the leading character, who lives for her passion. Something – or someone – that seems like a big handicap at the beginning, is turning out to share her passion and even being an important addition to her life.

Fazit (Patrick)

FilmfestivalTricky Women 2017

Rating

Sehr Gut (4 von 5)

Das Festival wird es nächstes Jahr wieder geben. Und alle, die einmal etwas anderes im Kino erleben wollen, sollten es sich ganz fett im Kalender markieren. Das schöne an dem Format ist ja, dass man alle zehn Minuten einen neuen Film sieht, da erträgt man dann sogar die langweiligen und furchtbaren Filme (ich rede von dir Schwarze Welle).

Bannerfoto: © Hold me/Renee Zhan

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Patrick Verfasst von:

Autor, Editor und Podcaster er kann schon mal Blockbuster und Kunstfilme mögen, am Ende des Tages verliebt er sich aber meistens in die Indies. Wenn er einmal etwas in sein Herz geschlossen hat, verteidigt er es wie ein treuer Hund.

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