Die Geliebte des Teufels (tschech.: Lída Baarová)

Im Biopic Die Geliebte des Teufels wird die Beziehung der tschechischen Schauspielerin Lída Baarová zu Joseph Goebbels behandelt und die Frage gestellt, ob die Liebe zu einem Verbrecher denn ein Verbrechen sei. Die Antwort darauf ist nur eines der Probleme des Films.

Moralisch fragwürdig

© Thimfilm

Angetrieben vom Ehrgeiz ihrer Mutter wird die Tschechin Lída Baarová (Tatiana Pauhofová) im Nazi-Deutschland der 30er Jahre zu einer höchst erfolgreichen Schauspielerin der vom Regime kontrollierten UFA Film. Doch trotz ihrer Beziehung zu Kollege Gustav Fröhlich (Gedeon Burkhard) beginnt sie eine Affäre mit Reichspropagandaminister Joseph Goebbels (Karl Markovics), die sich zu einem brisanten Politikum entwickelt.

Regisseur Filip Renc drängt dieses tschechische Biopic in eine Rahmenhandlung ähnlich wie es Titanic vorgemacht hat. Die gealterte Lída Baarová erzählt in einem fiktiven Interview von ihrem Lebensweg, wobei auf die Goebbels-Affäre freilich der Fokus gesetzt wird. Was in Camerons Katastrophenfilm ebenso wie in vielen anderen Produktionen recht unkompliziert ist, wird in Die Geliebte des Teufels aber schnell zu moralisch fragwürdigem Territorium.

Beim Nazigerede mal kurz weggehört

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Denn so wie sich die Schauspielerin weigert, in ihrem Handlen einen eklatanten Fehler zu erkennen, so traut sich auch Renc nicht, ein Urteil auszusprechen. Der Darstellung Baarovás, sie habe von all den grausamen Nazi-Taten ja gar nichts mitbekommen und selbst bei Goebbels Reden nicht auf den Inhalt geachtet, wird vom Film nie entschieden widersprochen. So wird, wohl aus Versehen, eine Haltung verteidigt, die an die mangelhafte Aufarbeitung der Nachkriegszeit erinnert.

Dieser Fehltritt in Sachen Aussage ist ohnehin schon schwer zu verkraften, er wird allerdings auch keineswegs durch andere Qualitäten gerechtfertigt. Die Geliebte des Teufels soll wohl ein großes Liebesmelodram sein, stellt aber zwei Figuren ins Zentrum, die eher Karikaturen gleichen. Baarovà wird in Folge des fehlenden Schuldspruchs zum naiven Dummerchen, Markovics’ Goebbels hingegen ist ein schmieriger Stratege, dem man keine tiefgehenden Gefühle zuzusprechen vermag.

Wikipedia-Fakten im Beziehungsstreit

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Auch in Sachen Storytelling möchte man Filip Renc beinahe einen Nachhilfekurs ans Herz legen, so schafft er es beispielsweise kaum, relevante Nebenfiguren zu etablieren. Zuerst darf die Mutter so tun, als wär sie wichtig, zwischendurch muss natürlich auch Hitler ein paar Zeilen haben und am Ende sollen wir Mitleid mit der kaum vorgestellten Schwester der Schauspielerin haben.

Fast noch schwerer aber wiegt das Einweben von biographischen Fakten, die für die Geschichte völlig irrelevant sind. Im Beziehungsstreit mit Gustav Fröhlich etwa argumentiert Baarová mit Details aus ihrem Wikipedia-Artikel: Alles was ihr bleibe, seien eine Fehlgeburt und die damit verbundene Tatsache, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann. An anderen Stellen hingegen scheint die historische Korrektheit gar keine Rolle zu spielen, da wird aus einem unspektakulären Freispruch gerne mal eine Last Minute-Rettung vor dem Galgen.

Moviequation:

Fazit (Michael):

Film: Die Geliebte des Teufels
Rating:

Lauwarm (2 / 5)

Die Geliebte des Teufels verwandelt die Geschichte von Lìda Baarovà in ein zweifelhaftes Liebesmelodram, das nicht nur mangelhaft erzählt ist und unter seinen schwach gezeichneten Charakteren leidet, sondern sich versehentlich auch noch in eine moralische Sackgasse verirrt.

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Michael Verfasst von:

Autor, Editor, Public Relätions Michael ist der Arthouse Hipster des Teams, dessen Korrektheit und ruhige Art dafür sorgen, dass die Diskussionen immer fair bleiben und Beleidigungen nur zulässt, wenn sie mit Fakten belegt werden können.

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