The Accountant

Ein Mann und seine Mathematik als Dreamteam: In The Accountant mimt Ben Affleck einen autistischen Steuerberater, der ein Doppelleben führt. Dass ihm seine Gefühle zum Verhängnis werden, ergibt sich aus der recht simplen Story.

Und mit recht simpel, meine ich wirklich einfach: Christian Wolff (Ben Affleck) ist ein Steuerberater, der sich um die Geldgeschäfte von Mafiosi und weiteren kriminellen Zellen rund um den Globus kümmert. Doch dann ist ihm das Finanzministerium auf der Spur und er wendet sich einer legaleren Angelegenheit zu, wobei er nicht nur Dana Cummings (aka Anna Kendrick spielt Anna Kendrick) kennenlernt. Er verwickelt sich auch in eine Geldgeschichte, die er am besten nicht aufgedeckt hätte. Doch da kommt ihm halt seine kognitive Beeinträchtigung in die Quere, die ihm nicht erlaubt, eine Sache unabgeschlossen ruhen zu lassen.

Seine Liebe zur Mathematik wird dabei als eine Art Inselbegabung eingeführt, die sein Leben ziemlich bestimmt. Autismus (und Inselbegabungen) sind Thematiken, die in Filmen immer mal wieder eine Rolle spielen. Dabei gibt es Streifen, die einem das Mitgefühl und die Emotionalität so richtig mit dem Hammer reinprügeln wollen (Rain Man oder Snow Cake) und solche, die es sanft und subtil angehen (Mary & Max). Dabei meinen es die zwei oberen Filme keinesfalls böse oder beleidigend, wenn sie die autistischen Figuren als besonders hilflos inszenieren. Vielmehr liegt es wahrscheinlich auch am Alter der Filme und an den Genres, das kein starker Fokus auf realistischer Darstellung liegt, wobei Rain Man sicherlich noch eher versucht in die Materie einzutauchen als Snow Cake.

Ein Film der 90er

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Warner Bros.

Da ist es schon ziemlich erstaunlich, dass man bei The Accountant schon das Gefühl hat, die Recherche wäre ein bisschen tiefer gegangen. Und das obwohl man gleichzeitig das Gefühl nicht loswerden kann einen Thriller aus den späten 1990er Jahren zu schauen. Ja, Regisseur Gavin O’Connor hat es geschafft einen so retro-anmutenden Film zu erschaffen – ich bezweifle, dass er das so geplant hatte -, dass man ihm gar nicht böse sein kann. Ich führe diese Abwesenheit von Emotionen gegenüber diesem Streifen darauf zurück, dass ich mit dieser Art von Filmen im Fernsehen aufgewachsen bin.

Dabei kann ich gar nicht genau sagen, welche Filme ich genau meine. Es geht um den Prototyp eines Thrillers, so wie er früher gemacht wurde: Eine (männliche) Hauptfigur mit Issues, Regierungsangestellte welcher Art auch immer kommen der Hauptfigur auf die Spur, die Hauptfigur wird mit einer hilfloseren zweiten Person zusammengewürfelt, wodurch sich die Situation verkompliziert. Und schließlich gibt es einen Showdown, der mit Twists gespickt ist und aus der die Figur irgendwie rauskommt. Wer jetzt böse ist, dass ich vielleicht The Accountant gespoilert habe, der soll bitte nachsichtig sein, denn ich kann nichts dafür, dass viele Filme einen sehr, sehr ähnlichen Ablauf haben.

Er kann rechnen, er kann schießen.

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Warner Bros.

Faszinierend ist, dass es fast unmöglich ist auf den ersten Blick zu sagen, ob The Accountant ein ziemlich schlechter oder wirklich nur durchschnittlicher Film ist. Ich tendiere ja zu letzterem, denn er hat schon seine guten Seiten. Ben Affleck spielt sehr gut, angenehm subtil und mit Charakter. Vor allem in Szenen, wo Wolff sich mit mathematischen Dingen beschäftigt, also dem Bereich des Lebens, den er vollends unter Kontrolle hat, merkt man, dass die Figur aus sich herausgehen kann, ohne total übertrieben emotional zu werden. Ohne Affleck wäre der Film sicherlich nur halb, wenn nicht noch weniger, erträglich. Die Twists sind ebenfalls nicht zu übertrieben und auch überraschend, vor allem wenn man so ein gewollter Naivling ist, wie ich.

Das einzige, was einen wirklich ein bisschen aufregen könnte, ist die Message, die der Film rüberbringen möchte. Es ist gewollt, dass man mit der Hauptfigur sympathisiert und das gelingt auch, aber er wird teils ziemlich als Anti-Held in Szene gesetzt, was echt falsch ist. Wolff saß im Knast, weil er Menschen umgebracht hat und das ziemlich kaltblütig und brutal. Der Film sagt aber nicht: “Der Typ hat einen riesigen Fehler gemacht, womit er für immer leben wird und was ihn voll belastet und alle anderen auch abstößt.”, sondern “Die Typen haben seinen Knast-Papa (Jeffrey Tambor) umgebracht, also rächt er sich an denen und das passt schon so.” Gut, es mag schon so sein, dass in Wolffs Fall die kognitive Behinderung so stark ist, dass er gar nicht nachvollziehen kann, dass er zu Unrecht gehandelt hat. Aber zumindest der Film sollte ihn schon verurteilen.

Und so ist The Accountant eben nicht Fisch und nicht Fleisch: Er möchte ein ernsthafter, emotional kühler Thriller sein, der realistisch inszeniert ist. Gleichzeitig bringt er Elemente rein, die man ob ihrer sanften humoristischen oder übertriebenen Darstellungsart nicht ernst nehmen kann.

Fazit (Anne-Marie)

Film: The Accountant

Rating: User0.Truck.Rating2.Lukewarm.Frei

Lauwarm (2 von 5)

 

The Accountant sollte man sich nur auf der großen Leinwand und für Geld anschauen, wenn man unbedingt ins Kino gehen will, komme was wolle. Er ist absoluter Durchschnitt, nicht mehr, nicht weniger.

 

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Anne-Marie Darok Verfasst von:

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