Monster Trucks

Free Willy mit Massenmördern.

Wenn die Produktionsgeschichte spannender ist als der Film selbst, dann ist meistens etwas schief gegangen. Diesem Schicksal kann auch Monster Trucks, ein Abenteuerfilm mit betont junger Zielgruppe, nicht entkommen. Allerdings muss man dafür weniger das maue Endprodukt als dessen bizarre Entstehung verantwortlich machen. Adam Goodman, damals Präsident von Paramount, hatte – so sagt es die Legende – vor einigen Jahren die großartige Idee, sich bei seinem 4-jährigen Sohn nach Ideen für einen Blockbuster umzuhören. Der kleine Racker mit blühender Fantasie dürfte dann sinngemäß gemeint haben, ein Film in dem Monster Trucks eben Trucks mit Monster sind, das wäre doch ganz cool.

Ein nahezu heimlich veröffentlichter Trailer inklusive katastrophaler Rückmeldungen und einem bereits fix eingeplanten budgetären Misserfolg später ist Goodman Geschichte. Und wir bekommen nun endlich Monster Trucks zu sehen, um dessen scheinbar katastrophale Qualität sich längst Mythen ranken. Versteht sich fast von selbst, dass der Film diesen fragwürdigen Vorschusslorbeeren nicht so richtig gerecht werden kann. Kurz gesagt: Er ist zwar schlecht, aber nicht so schlecht wie man vielleicht zu hoffen gewagt hatte.

Läuft auf RTL II

Wie bin ich schon wieder in einem schlechten Film gelandet?, © Constantin Film

Rein inhaltlich hat die Geschichte auch nicht weniger Potenzial als so manch andere schlecht durchdachte Großproduktion. Bei der Arbeit am Schrottplatz findet der Jugendliche Tripp (Lucas Till) ein tintenfischähnliches Monster, – er nennt es Creech – das sich schon bald in ein Auto hinein wurstelt, um dort quasi den Motor zu spielen. Gemeinsam liefern sie sich eine Hetzjagd mit den bösen Jungs einer Ölfirma. Die haben nämlich drei dieser Viecher bei einer Bohrung quasi versehentlich aus dem Wasser gezogen und wollen das am liebsten vertuschen, indem sie die Dinger kaltblütig ermorden. Natürlich gibt’s auch noch ein Mädl, das heißt Meredith (Jane Levy wieder mal in einem schlechten Film) und darf mitfahren.

Abenteuer, ein süßes Viech, unmoralische Gegenspieler, eine jugendliche Hauptfigur und sogar noch ein potentielles Love Interest? Na wenn das mal nicht nach einem guten alten RTL II-Film klingt. So könnte man durchaus argumentieren, dass sich Monster Trucks aufgrund seiner Prämisse recht gut in ein für Kinder zugeschnittenes Fernsehprogramm an einem 90er-Jahre Wochenende gefügt hätte. Tatsächlich wäre er da wohl kaum aufgefallen, im positiven Sinne aber genauso wenig wie im negativen. Auch wenn man als Erwachsener bei dem ein oder anderen Highlight aus der Kindheit am besten gleich zwei Nostalgiebrillen aufsetzen sollte, haben die wirklich guten Filme dieser Zeit eben doch ihre Qualitäten.

Bum-Zack, drauf auf die Bösewichte

Vroom Vroom, was für ein Spaß. © Constantin Film

Bei Monster Trucks findet man diese Qualitäten, um in der Sehhilfen-Allegorie zu bleiben, auch mit einer Lupe nicht. Das Drehbuch ist zwar nur durchschnittlich dämlich, die Regie von Chris Wedge muss aber leider schon bemerkenswert schlecht genannt werden. Einige Action-Sequenzen haben eklatante Fehler in der Kontinuität aufzuweisen. Andere Momente sind hingegen derart eigenwillig zusammengestellt, dass man fast das Gefühl bekommt, es würden ein paar Einstellungen fehlen. Fast noch schwerer aber wiegt Wedges Unfähigkeit, Humor zu transportieren. Derek Connollys Drehbuch ist mit Sicherheit nicht gespickt mit Knaller-Schmähs, in einigen Szenen aber sind potente Gags zu erahnen, die aber durch die Inszenierung kaputt gemacht werden.

Eine Empfehlung kann sich da freilich lange nicht mehr ausgehen, der Film hätte aber eine realistische Chance darauf gehabt, dass ihm stark nostalgisch veranlagte Personen zumindest ein bisschen good will entgegenbringen. Kindliche Abenteuergeschichten, die sich in ihrer moralischen Eindeutigkeit an Free Willy anlehnen, sind heute schließlich rar gesät. Diesen guten Willen macht sich Monster Trucks dann aber mit Krach und Krawall selbst kaputt, als die Hauptfiguren in den letzten zwanzig Minuten zu sehr krassen Mitteln greifen. Da darf der Monster Truck dann schon Mal mit viel Wucht auf der Fahrerkabine eines feindlichen LKWs landen oder ein gigantischer Liebherr-Product-Placement-Truck durch eine viel zu enge Schlucht fahren, obwohl dort noch Menschen herumlaufen. Auch wenns die Filmemacher nie zeigen, geschweige denn ernsthaft thematisieren: Unsere gefeierten Helden sind Massenmörder.

Fazit (Michael):

Film: Monster Trucks
Rating:

Monster Trucks ist natürlich schlecht, aber nicht so schlecht, dass es sich schon wieder lohnt. Schade eigentlich.

Sharing is Caring:
Michael Verfasst von:

Autor, Editor, Public Relätions Michael ist der Arthouse Hipster des Teams, dessen Korrektheit und ruhige Art dafür sorgen, dass die Diskussionen immer fair bleiben und Beleidigungen nur zulässt, wenn sie mit Fakten belegt werden können.

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.