Fantastische Podcasts #22 – Scream

Wolfi und Thomas sind wieder vor den Mikros. Denn wenn ein neuer Fantastic Beasts Film in den Kinos läuft, ist der ideale Zeitpunkt, um über die Scream Filme zu podcasten.

Bei dem wenigen Hype um den neuesten Film im Harry Potter Unversum haben unsere Podcaster beschlossen, sich einem Franchise anzunehmen, der ihnen sehr am Herzen liegt (und gleichzeitig macht das Reden über Slasher und Genrefilme richtig Lust aufs kommende SLASH 1/2).

Was macht Scream zu einem so einflussreichen Film und wie schneidet der Neustart im Vergleich ab? Thomas und Wolfi diskutieren lange um Spoiler herum, um diesen Podcast so Einsteiger:innen freundlich als möglich zu halten.

In den Scream-Filmen findet man unglaublich aktuelle Diskussionsthemen. Ab wann unterstützt ein Klischee den Status quo und wo liegt die Verantwortung der Filmschaffenden? Wieso ist es gerade das Horrorgenre, das besonders mit Filmen wie Scream eine Vorreiterrolle einnimmt? Warum hat der neue Scream mehr mit Star Wars – The Last Jedi gemeinsam als mit dem Horror-Genre? Und wo ist die feine Grenze zwischen Satire und Faulheit?

Wer hätte geglaubt, dass man bei einem Scream Podcast über sexuelle Selbstbestimmtheit, persönlche Entfaltung, MeToo und toxische Fankultur redet?

In dieser Episode sprechen

avatar
Wolfgang Steiger
avatar
Thomas

Ähnliche Podcast Folgen

Scream 2022

Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett
Drehbuch: James Vanderbilt, Guy Busick
Jahr: 2019

Scream (2022) versteht sich als Neustart des Scream-Franchise – was wohl auch der Grund ist, warum die Zahl 5 aus dem Titel verschwunden ist. Eine neue Generation an Jugendlichen wird von einem Mörder gejagt, der eine persönliche Verbindung zu den Protagonistinnen Sam (Melissa Barrera) und Tara (Jenna Ortega) zu haben scheint.

Schon ab der ersten Szene huldigt diese Neuinterpretation dem Original Scream aus dem Jahr 1996 und versucht das Publikum ähnlich zu schocken. Leider reicht es bei diesem Neustart für unsere Podcaster nicht wirklich aus.

Ganz schlechtreden wollen wir den neuen Scream 2022 nicht, denn zumindest greift der Film Themen wie Fankultur und toxisches Online Verhalten auf.

Scream

Regie: Wes Craven
Drehbuch: Kevin Williamson
Jahr: 1996

“Was? Du hast noch nie Scream gesehen?”

So das sinngemäße Zitat aus dem neuesten Scream Film. Aber warum hat das Original von Wes Craven basierend auf dem Drehbuch von Kevin Williamson so einen unglaublichen Ruf?

Scream schrieb 1996 die Regeln für Horror-Filme neu und das begann schon mit der Eröffnungsszene, bei der die vermeintliche Hauptdarstellerin Drew Barrymore von einem Mörder mit Geistermaske verfolgt wurde. Aber auch neben dem anfänglichen Schocker ist der Film auch heute noch ein Beispiel dafür, was man alles mit Genrefilm machen kann.

The Final Girls

Regie: Todd Strauss-Schulson,
Drehbuch: M.A. Fortin, Joshua John Miller
Jahr: 2015

Der Begriff Final Girl beschreibt ein sich wiederholendes Motiv einer Protagonistin, die sich in Slasher Filmen als letzte Überlebende der Gefahr stellt und diese meistens besiegt. Doch viel zu oft wurde Final Girl als das “brave Mädchen” inszeniert, das aufgrund sexueller Enthaltsamkeit ihre “Reinheit” bewahrt und deshalb in der Lage ist das Böse zu besiegen.

Dass dieses Klischee oft bedient wurde hat es nicht weniger schlimm gemacht und gerade deswegen war es so erfrischend, als Scream mit Sidney (Neve Campbell) ein Final Girl lieferte, das nicht über sexuelle Enthaltsamkeit definiert war.

Ganz anders verhält es sich bei der Horror Comedy The Final Girls aus dem Jahr 2015, den unsere Podcaster als Vergleich heranziehen. Die Retro Komödie mag eine Ode an die Slasher-Filme der 80er sein, macht aber leider nichts außer Stereotype unter dem oft missverstandenen Tarnmantel der “Ironie” zu verstärken.

Ready or Not

Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett
Drehbuch: Guy Busick, R. Christopher Murphy
Jahr: 2019

Dass Thomas und Wolfgang doch etwas vom Scream Neustart 2022 erwartet hatten, ist wahrscheinlich dem Vorfilm des Regieduos Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett geschuldet, bei dem auch Scream (2022) Co-Autor Guy Busick beteiligt war: Ready or Not.

Die pechschwarze Komödie rechnet mit konservativen Strukturen ab, ist überdreht, brutal und eigentlich der perfekte Film, den man am Slashfilmfestival schauen würde. Schade, dass die brutale Bildsprache, die in Ready or Not perfekt passt, aber für Scream dann doch eher unpassend ist. Thomas und Wolfi drehen sich in einer langen Spirale über den Kontext von Gewalt in modernen Horrorfilmen und fokussieren sich besonders darauf, warum ihnen die Gewaltdarstellung in Scream 2022 – besonders bezüglich Schusswaffen – absolut nicht zusagen.

Scream 2 – Horror und Drama

Regie: Wes Craven
Drehbuch: Kevin Williamson
Jahr: 1997

Dass eine Fortsetzung nicht das gleiche machen muss, zeigte Scream 2, der gerade einmal ein Jahr nach dem Erfolgshit in die Kinos kam. Mit einer Eröffnungsszene im Kinosaal, die unter die Haut geht, erkundete Kevin Williamson weiter die Meta-Geschichte, sponn das Figurendrama fort und tat etwas ganz besonderes: Sidney Prescott (Neve Campbell) wurde vom Final Girl zur Hauptrolle des Scream Franchises (zumindest der ersten 4 Filme) befördert.

Wir folgen nicht mehr nur einer Slasher Reihe, sondern einem Charakterdrama, das Wes Craven wieder gekonnt inszenierte.

Scream 3 – Machtmissbrauch und MeToo

Regie: Wes Craven
Drehbuch: Ehren Kruger
Jahr: 2000

Mit dem als der schlechteste Teil der Scream-Reihe verrufenen Scream 3 beendete Wes Craven im Jahr 2000 die Scream-Trilogie. Das Drehbuch lieferte dieses Mal nicht Kevin Williamson sondern Ehren Kruger, was dem Film natürlich noch mehr Angriffsfläche bietet.

Dennoch wurde hier Thomas durch die Abhandlung Scream Deconstructed auf eine spannende Fährte geführt, die ihn zum Schluss bringt, dass viele negative Aspekte des Filmes vielleicht sogar ein Stilmittel sein könnten. Im Podcast stürzen wir uns tief in einen Meta-Kaninchenbau bei dem der Scream-Mörder als Ziel hat die Realität zu verzerren und seinen eigenen Film zu drehen.

Aber auch handfestere Themen, die in Scream 3 aufgeworfen werden, sind leider immer noch brandaktuell. Die zentrale Geschichte der Trilogie läuft hier auf institutionalisierte Machtmissbräuche im Hollywood-System hinaus, deren Leidträgerinnen zum großen Teil Frauen sind. Noch bizarrer ist die Tatsache, dass eine solche Geschichte über sexuellen Missbrauch im Jahr 2000 von keiner anderen Produktionsfirma als der Weinstein-Company produziert wurde.

Scream 4 – Influencer:innen und Neustarts

Regie: Wes Craven
Drehbuch: Kevin Williamson
Jahr: 2011

Warum sind wir so hart zum neuen Scream (2022), es musste halt irgendwann ein Neustart kommen!

Stimmt… den gab’s auch schon 2011, als Regisseur Wes Craven und Kevin Williamson die Scream Reihe doch nicht als Trilogie beließen.

In einer Zeit der neuen, hippen, feschen Reboots (Star Trek, A Nightmare on Elm Street, die Liste ist lang…) bekam auch Scream ein neues Gesicht mit einem neuen Final Girl. Jill Roberts (Emma Roberts) und ihre Freund:innen wurden ein Jahrzent nach den Ereignissen der Trilogie von einem neuen Mörder in Ghostface-Kostüm verfolgt.

Und gerade im direkten Vergleich zur neuesten Scream-Iteration werden die Stärken von Scream 4 (offizieller Titel: Scre4m) noch stärker hervorgehoben. Anstatt achselzuckend alles neu und fesch zu machen und damit dem Neustart-System in die Hände zu spielen dreht das Drehbuch von der Eröffnungsszene permanent die Erwartungen um. Denn anstatt ein 0815-Produkt zu liefern und dabei immer wieder den Schutzschirm “aber wir machen es ironisch” zu verwenden, ist Scream 4 unglaublich subversiv.

Ein Film, der 2011 schon live-streaming und die kommende Welle an Influencer:innen thematisiert hat, ist nach zehn Jahren mit mehr Sozialsatire geladen, die man im modernen Scream 2022 vermisst.

Vorschau & Kontakt

Im regulären Programm steht auch vieles an. Unser Podcast-Team wird im ersten regulären Podcast der 9. Staffel Flip the Truck einen Deep Dive zu The Batman machen. Und auch Everything, Everywhere All At Once, der das Slash 1/2 eröffnet scheint genug Stoff für einen Podcast zu geben.

Für mehr Filmdiskussionen könnt ihr natürlich auch gerne über unsere diversen Social-Media-Kanäle mit uns Kontakt aufnehmen.

Flip the Truck – Der österreichische Film-Podcast

Uns gibt es auf Facebook, Twitter & Instagram.

Banner: Scream (2022) – © Constantin Film

P.S.: Alle Podcasts der Reihe Fantastische Podcasts findet ihr auch in einem eigenen Podcast Feed.

Sharing is Caring:

Der österreichische Filmpodcast ist eine Plattform für detailierte Diskussionen über Filme, sei es Mainstream oder Indie. Neben Oscar-Analysen gibt es regelmäßige Interviews mit Filmschaffenden.