Gone Girl

DISCLAIMER:
GONE GIRL IST AM BESTEN, WENN MAN SO WENIG WIE MÖGLICH ÜBER DEN FILM WEISS.
DIESE REVIEW ENTHÄLT KEINE SPOILER,
ABER SICHER IST SICHER

David Finchers Karriere ist eine kunterbunte Mischung aus hervorragenden Thrillern die genial provozieren, wie Fight Club und Se7en und dann den etwas süßeren Filmen in Form von The Curious Case of Benjamin Button. Am liebsten haben wir ihn allerdings wenn er menschliche Abgründe erforscht wie in Zodiac oder auch der oft zitierten Netflix Serie House of Cards. Nachdem sein letzter Auftritt im Kino eher ein Fehlgriff war, nimmt er die Herausforderung einer Buchadaption erneut an und präsentiert uns Gone Girl.

Sowohl die Vorlage, als auch das adaptierte Drehbuch kommt von Autorin Gillian Flynn und handelt von Nick Dunne (Ben Affleck), der an seinem Hochzeitstag nach Hause kommt und feststellt, dass seine Frau Amy (Rosamund Pike) verschwunden ist. Es beginnt eine Polizeiermittlung, in der sich Nick immer mehr von einem unschuldigen Angehörigen zu einem Verdächtigen entwickelt.

Die Stimme der Ungehörten

Der Film beginnt mit einem Blick auf den Hinterkopf von Amy und den Gedanken von Nick, die etwas zutiefst Unglückliches ausdrücken. Somit wird der Zuschauer von Anfang an gezwungen sich zu fragen ob er vielleicht wirklich für das Verschwinden seiner Frau verantwortlich ist. Während wir Nick durch die Gegenwart folgen, erleben wir durch ein Tagebuch von Amy deren fünfjährige Geschichte als Paar. Vom ersten Treffen und einem Kuss in einer Zuckerwolke, hin zu finanziellen Problemen durch beider Arbeitslosigkeit und den Umzug aufs Land verblasst die anfängliche Liebe und während Amy sich zu einer gelangweilten Hausfrau entwickelt und wird Nick zu einem unzufriedenen Barbesitzer.

Gone Girl 4

Mit jedem Tagebucheintrag erfahren wir mehr über deren Probleme und werden unsicherer, ob der Protagonist nicht doch der Antagonist ist und darin liegt die Stärke von Gone Girl. Der Zuschauer wechselt öfter die Meinung als ein Politiker zu Wahlkampfzeiten und dann beginnt dich der Film zu verändern und weiterzuentwickeln.

Und wie geht’s weiter?!

Wenn sich David Fincher mal entschließt uns Antworten zu geben, entstehen unweigerlich neue Fragen, aber das Schönste an dem Film ist, dass es ihm gelingt, das Publikum wünschen zu lassen, die nächste Episode dieser Geschichte zu sehen. Wie geht es weiter mit den beiden? Hören die Tagebucheinträge auch mal auf? Und dann bekommt man genau das, ohne danach enttäuscht zu sein. Trotz einer Laufzeit von 149 Minuten wird einem nie langweilig und wenn der Film von einem Whodunnit zu einer medialen Hetzkampagne wird und dann weiter zu einem Psychothriller und so weiter und so fort, erkennt man erst wie durchdacht und vielschichtig dieses Werk ist.

Doch es dauert auch ein bisschen bis das Werkl Fahrt aufnimmt. Es gibt zu Beginn zu viel Exposition der Charaktere, die deutsche Synchronisation hilft hier wenig, doch ab einem gewissen Zeitpunkt hat sich alles stabilisiert und man sich auf Finchers Schienen rasant dem Ende entgegen bewegt.

Gone Girl 2

Ein Haufen Nebencharaktere

Gone Girl lebt von den Performances von Ben Affleck und vor allem Rosamund Pike, die problemlos zwischen Engelchen und Miststück wechseln kann, doch es sind die kleineren Charaktere, die den Film in eine höhere metaphysische Ebene heben. Sei es die good cop/bad cop Routine von Kim Dickens und Patrick Fugit (bei dem es etwas gedauert hat, bis wir ihn als den Jungen aus Almost Famous wiedererkannt haben) oder eine großartige Carrie Coon, die die Zwillingsschwester von Nick spielt und sein moralischer Kompass ist, ohne ihm zu verschweigen wenn er sich mal wieder wie ein Arschloch aufführt. Die auffälligste Figur in diesem Konglomerat an tollen Auftritten hat jedoch Tyler Perry, der in Amerika für seine furchtbaren, jedoch erfolgreichen Madea Filme bekannt ist. Er spielt einen Staranwalt, der Nick vertritt als ihm das Wasser bis zum Halse steht und ist ein gut platzierter, kleiner comic relief.

Modellhäuser und Holzschuppen

Die technische Umsetzung ist, wie bei jedem David Fincher Film natürlich top notch. Die Kamera alleine erzählt schon eine Geschichte und das Editing schreit in manchen Szenen auch: Bemerke mich!!

Besonders auffällig sind jedoch die Drehorte, sei es das Fertigteilhaus, in dem Nick und Amy wohnen, das so einfach diese Ehe wiederspiegelt. Schöne Fassade, doch dahinter billiges brüchiges Material, das nicht dafür gemacht ist schwere Unwetter zu überstehen. Eine emotionale Bindung zwischen Orten und Personen entsteht, wenn die Schnitzeljagd von Häusern zu Kellern bis hin zu kleinen Holzschuppen führt. Während andere Charaktere kurz vorm Ziel in einer luxuriösen Seevilla residieren.

Gone Girl 1

Das Herz der Geschichte

Das zentrale Thema bleibt aber die Ehe oder besser gesagt die Beziehung der Beiden. Zwei Menschen, die sich in das bestmögliche Ich des anderen verliebt haben, nur um zu erkennen, dass dieses Ich sich nicht erhalten lässt und die zur Verfügung stehende Version des Anderen nicht zufriedenstellend ist. Man beginnt sich zu verabscheuen, sich zu hassen, versucht dem Anderen irgendwie weh zu tun und am Ende hat man das Bild zweier Menschen, mit denen man eigentlich keine Zeit verbringen will, wenn man sie auf der Straße trifft. Das letzte Kapitel von Gone Girl porträtiert die beiden so zynisch, dass es schon wieder lustig ist.

Gone Girl 3

Moviequation:

moviequation gone girl

Verdikt:

Film: Gone Girl
Rating: Sehr Gut

User2.Krammer.Rating4.Great.Frei.SmallUser3.Leitner.Rating4.Great.Frei.Small  User1.Wolfgang.Rating4.Great.Frei.Small

Gone Girl ist ein 149 minütiger Thriller der dich nach ein paar Startschwierigkeiten fesselt und dich in teils bekannte, teils unbekannte Gebiete einer Ehe führt, ohne die zentrale Prämisse aus den Augen zu verlieren. Ein Film voller Wendungen und wenn eine Frage beantwortet ist, sagt einem Gone Girl auch noch wie es danach weiter geht, sodass man wiederum die Frage stellen muss: Und wie geht’s dann weiter?

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