The Imitation Game

Mit acht Oscar-Nominierungen ist The Imitation Game einer der großen Wettstreiter um die begehrten goldenen Trophäen. Das Biopic über Alan Turing wartet mit allem auf, um diese unglaublich interessante und wahre Geschichte so spannend wie möglich auf die Leinwand zu bringen.

Enigma

Imitation Game 2

Der Zweite Weltkrieg: das deutsche Militär ist aufgrund der Chiffriermaschine Enigma in der Lage, Botschaften auf eine Weise zu verschlüsseln, welche die Alliierten nicht zu entschlüsseln vermögen. Hinzu kommt, dass die Verschlüsselung jeden Tag um Mitternacht geändert wird, sodass nur ein winziges Zeitfenster bleibt, um den Code zu knacken und auch verwenden zu können.

Aus diesem Grund wird der Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch) als Teil eines Teams von Codeknackern ausgewählt, welches es schaffen soll, Enigma zu entschlüsseln. Und recht schnell wird klar, dass Turing anders denkt als der Rest seines Teams, was ihn aufgrund seiner kalten und arroganten Art recht schnell unbeliebt macht.

Dennoch stellt sich schon bald heraus, dass Turing vielleicht der einzige im Team ist, welcher eine legitime Chance hat, Enigma zu knacken. Denn er ist der Meinung, dass es anstatt eines Menschen eine Maschine benötigt, um eine Maschine wie Enigma zu knacken. Doch ein solch revolutionäres Konzept durchzusetzen ist schwierig und stößt auf wenig Gegenliebe beim militärischen Vorgesetzten (Charles Dance) und so beginnt ein Wettlauf gegen die Deadline, um Turings Maschine zu perfektionieren.

Sherlock im 2. Weltkrieg

Sherlock 123

Benedict Cumberbatch ist wohl den meisten ein Begriff aufgrund seiner Rolle in der britischen TV-Serie Sherlock, welche wohl auch dazu führte, dass seine Rolle in Star Trek Into Darkness ebenfalls sehr kalkulierend und “Sherlock-y” angelegt war. Wenn Cumberbatch nun wieder in die Rolle eines unglaublich talentierten Genies mit wenig Feingefühl für soziale Interaktionen schlüpft, dann geht man vielleicht etwas zynisch ins Kino.

Doch Cumberbatch verwandelt Turing in einen eigenen Charakter anstelle von Sherlock 3.0. Und selbst, wenn er zu Beginn sehr nahe an Sir Doyles Detektiv ist, so erlaubt Graham Moores Drehbuch ihm genug Raum, um über dieses Bild hinauszuwachsen. Dies ist auch dem Charakter Joan Clarke (Keira Knightley) zu verdanken, welche die erste Person ist, die durch seine kalte Schale zu dringen vermag und das Team zusammenhält. Was zu Beginn noch ein kleiner Bandenkrieg zwischen Turing und dem Rest der Codeknacker ist, entwickelt sich langsam in eine glaubwürdige Freundschaft.

Manche Kriege werden mit Statistiken gewonnen

Imitation Game 3

Doch Enigma zu entschlüsseln ist nur ein Teil des Puzzles. Genug Zeit des Films wird damit verbracht, wie man die gewonnenen Informationen auf eine Art einsetzt, die verhindert, dass die Nazis erfahren, dass Enigma entschlüsselt wurde. Hier begeben sich die Charaktere in eine unangenehme Grauzone, in der man nur noch strikt den mathematischen Regeln folgen kann und sich nicht von Gefühlen leiten lassen darf.

Dieser Konflikt ist zwar auf eine Art inszeniert, die wahrscheinlich theatralischer ist als die wirkliche Geschichte, doch man kann diese dramatische Änderung durchgehen lassen, da innerhalb von wenigen Momenten sehr effektiv und nachvollziehbar das Dilemma aufgezeigt wird. Es ist erst das letzte Drittel des Filmes, in dem sich der Fokus weg vom Code und zu den persönlichen Konflikten von Turing bewegt. Denn zu Turings Zeit stand auf Homosexualität die Strafe des Freiheitsentzugs oder der Zwangssterilisation, was dazu führte, dass er seine sexuellen Tendenzen stehts geheimhalten musste. Im letzten Drittel des Filmes wird auf schockierend effektive Art vorgeführt, dass all diese Dinge noch junge Vergangenheit sind und wir uns nicht gemütlich zurücklehnen können, mit dem Argument “Ja das ist ja schon lange nicht mehr so”.

Oscar-Biopic

The Imitation Game

The Imitation Game ist ähnlich wie The Theory of Everything ein klassisches Oscar-Biopic und stolpert in einige der gleichen Fallen.

So gibt es etwa eine aufgesetzte Rahmenhandlung, die anfangs nur für das Publikum geschrieben ist, bevor sie in den letzten Momenten noch Auswirkungen auf den Plot hat. Eine Flashback-Geschichte bietet kaum neue Erkenntnisse, die man nicht organisch in die Hauptgeschichte einbinden hätte können (mit jedem dieser Oscar-Filme gewinnt Lincoln mehr an Respekt) und natürlich endet der Film mit WICHTIGEN Sätzen, die über den letzten bewegten Bildern erscheinen.

Doch im Vergleich zum Stephen Hawking-Biopic bietet der Film genug Momente, die ihn zu mehr machen als ein “Wie mache ich eine inspirierende Biographie”. Dies funktioniert hauptsächlich aufgrund des letzten Drittels, welches nach all dem heroischen Erfolgen eine kalte Dusche ist und das Gesamtbild besser abrundet als manch andere Feelgood-Biographien.

Moviequation:

moviequation imitation game

Fazit (Wolfgang):

Film: The Imitation Game
Rating:

User1.Wolfgang.Rating3.Recommendable.Frei_1
Empfehlenswert (3 / 5)

Turings Beitrag zum Ausgang des Zweiten Weltkrieg stand 50 Jahre unter Verschluss und The Imitation Game gelingt es, diese komplexe Geschichte über den “geheimen Krieg” auf unterhaltsame, spannende und berührende Art zu erzählen. Zwar halten einige “Oscar Biopic”-Momente den Film davon ab, noch höher zu steigen, doch das tut einer enthusiastischen Filmempfehlung nichts ab!

Weitere Meinungen aus der Redaktion

Fazit (Patrick):

Film: The Imitation Game
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User2.Krammer.Rating3.Recommendable.Frei
Empfehlenswert (3 / 5)

Fazit (Michael):

Film: The Imitation Game
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User3.Leitner.Rating2.Lukewarm.Frei.Small
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Wolfgang Verfasst von:

Der Host des Flipthetruck Podcasts. Mit einem Fokus auf Science Fiction und Roboter sucht er ständig jene Mainstream Filme, die sich nicht als reine Unterhaltungsfilme zufrieden geben.

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