Underdog (ung.: Fehér isten)

In Kornél Mundruczó’s preisgekrönten Film Underdog (im ungarischen Original Fehér isten und weltweit bekannt als White God) verfolgen wir den Werdegang eines familienfreundlichen Hundes, ausgelöst durch menschlichen Verrat und Ausbeutung, hin zu einem Racheengel alttestamentarischen Ausmaßes. Im Verlauf des Filmes wird einem bewusst, dass es vor allem Menschen sind, denen Menschlichkeit fehlt.

Wenn die Menschlichkeit vor die Hunde geht

Die 13-jährige Lili (Zsófia Psotta) muss für drei Monate zu ihrem entfremdeten Vater (Sándor Zsótér) ziehen und bringt unangekündigterweise ihren Straßenhund Hagen (Body & Luke) mit. Der Vater ist davon wenig begeistert und setzt nach einigen Problemen den Hund auf der Autobahn aus. Während der Hund Hagen sich nun immer mehr Gefahren ausgesetzt sieht befindet sich Lili auf einer aufmüpfigen, autoritätsverweigernden Spirale ins Chaos.

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Die herzzerreißende Geschichte von Hagen, der sich Tierquälereien wie etwa Tierfängern und Hundekampfringen ausgesetzt sieht, wird von Lilis parallel ablaufenden Problemchen unterbrochen. Für den Zuschauer sind dies aufgrund des Kontrasts zu Hagen fast schon emotionale Pausen, die einen durchschnaufen lassen. Die Autoritätsverweigerung ist in einem osteuropäischen Staat natürlich immer ein besonderes Thema, wenn man einen Blick auf dessen Geschichte wirft, doch vor allem die Geschichte des Hundes, der grundlos gejagt wird, zieht (absichtlich oder unabsichtlich) mehr Vergleiche zu Ungarns Umgang mit der derzeitigen Flüchtlingsproblematik. Anlass für das Drehbuch war zwar ein Zwischenfall des Nachbarlandes Rumäniens und dessen Streunerproblem, doch dies stärkt nur die Allegorie.

Rocky Trainingsmontage des Grauens

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Als der Hund von einem Obdachlosen gefangen und an einen Hundekampfpromoter verkauft wird, erleben wir eine Trainingsmontage des Grauens à la Rocky. Der Hund wird mit Fleischklumpen und dem täglichen Kreatinshake scharf gemacht und wir sehen den Werdenganges eines süßen alles liebenden Kuschelhundes zu einer wahren Kampfmaschine. Ähnlichkeiten zum neu aufgelegten Planet of the Apes werden sichtbar, wenn ein schutzbedürftiges Tier ausgebeutet und aggressiv wird. Und genauso wie beim Affenfilm steht man auf der Seite der Hunde nach deren Ausbruch. Angsterfüllt sieht man mit an wie Hagen einen alttestamentarischen Rachefeldzug gegen seine Peiniger führt, der dem Werdegang von Moses gar nicht unähnlich ist (nicht fehlen darf eine Anlehnung an die Überquerung des roten Meeres).

Ein gelungenes Debüt

Die zwei bemerkenswertesten Dinge an Underdog sind die schauspielerische Leistung der Hunde Luke und Body, die sich besser schlagen als zum Beispiel der menschliche Hauptcharakter Lili. Wenn Hunde in einem Film oder einer Serie auftauchen, beobachtet man den Hund instinktiv genauer und sucht nach den Befehlen seines Besitzers hinter der Kamera. Meistens schaut der Hund immer genau auf einen Punkt und verhält sich nicht natürlich. Luke und Body sind da ganz anders. Sie verhalten sich während des ganzen Filmes geradezu naturalistisch, in einer Szene erschrickt Hagen am Horn eines Schiffes und blickt über das Brückengeländer auf der Suche nach dem Ursprung des Tones. Die Kamera muss quasi darauf warten, bis er wieder bereit ist seinen Weg fortzusetzen, wenn er sich hinlegen muss, schaut er nicht zwanghaft an der Kamera vorbei für die nächste Anweisung, sondern spielt müde, wenn er müde sein muss. So als würde er die Szene und die Regieanweisung verstehen.

No Animals were harmed

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Am Anfang des Filmes kommt ein großer Hinweis, dass den Hunden nichts passiert ist und dass die vorkommenden Straßenhunde nach Beendigung der Filmarbeiten eine Unterkunft gefunden haben. Also ein Film mit positiven sozialen Auswirkungen. In der beeindruckendsten Szene des Filmes laufen 274 Hunde über die leere Straße Budapests hinter Lili her. Für CGI war kein Geld, also musste man echte Hunde verwenden und das Ergebnis war die Mühen wert. Die Bilder sind grandios, untermalt von klassischer Musik. Kein Wunder, dass der Film in Cannes in der Kategorie Un Certain Regard abräumen konnte.

Moviequation

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Fazit (Patrick):

Film: Underdog (ung.: Fehér isten)
Rating:

User2.Krammer.Rating4.Great.Frei
Sehr Gut (4 / 5)

Underdog ist ein beeindruckender Film, dessen emotionaler Kern beim Hund Hagen liegt, der die menschliche Grausamkeit am eigenen Leib kennen lernen muss. Die parallele Geschichte über seine frühere Besitzerin Lili muss man eher als Metapher für ein osteuropäisches Land sehen, beziehungsweise akzeptieren, aber das ganze Paket macht den Film zu einem Must-See im Jahr 2015.

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Patrick Verfasst von:

Autor, Editor und Podcaster er kann schon mal Blockbuster und Kunstfilme mögen, am Ende des Tages verliebt er sich aber meistens in die Indies. Wenn er einmal etwas in sein Herz geschlossen hat, verteidigt er es wie ein treuer Hund.

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