Love

Gaspar Noé ist ein harter Hund. Mit Love wollte er einen harten Kunstfilm machen, bei dem Frauen weinen und Männer im Kino hart werden. Am Ende geschieht nichts davon.

In Rückblenden erinnert sich der amerikanische Filmstudent Murphy (Karl Glusman) an seine große Liebe Electra (Aomi Muyock). Diese Liebe kam ins Bröckeln, als sich das Pärchen die junge Nachbarin Omi (Klara Kristin) zu einem flotten Dreier ins Bett einlud. Was folgte, waren Betrug, sexuelle Ausschweifungen und der Tod der Liebe.

Murphys Charakter dient als Platzhalter für Regisseur Noé selbst, der davon spricht einen Film aus Blut, Sperma und Tränen zu machen. Gaspar Noés Ziel war es sexuelle Zuneigung so realistisch wie möglich abzubilden, deshalb gibt’s echten Sex. Der Sex ist aber nicht so durchchoreographiert wie in Pornos. Das wurde den Schauspielern schon selbst überlassen. Immerhin geht es hier ja um die Kunst. Und eigentlich auch um Gefühle, aber das haut nicht so ganz hin. Als Zuschauer verspürt man keinerlei Mitleid mit Murphy, der seine Freundin mehrfach betrügt und einen Tobsuchtsanfall kriegt, sobald sie mit einem Ex redet. Egal was Noé sagt, es geht in Love nicht um die Liebe, sondern um den Sex. Das ist weder besonders neu, noch der große Aufreger, den er gern hätte.

Kunstfilm? Nein!

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© Thimfilm

Womit wir schon beim nächsten Problem wären. Gaspar Noé hat anscheinend von Terrence Malick’s Tree of Life abgeschrieben. Jetzt flüstert Murphy dauernd irgendeinen Dreck aus dem Off daher, der weder intellektuell noch interessant ist, aber als große Kunst verkauft wird. Wieso man mit Murphy auch nur ein bisserl Mitleid haben sollte, versteht wirklich keiner. Er macht seine derzeitige Freundin (und Mutter seines Kindes) total fertig, während er sich daran erinnert, wie er das gleiche mit ihrer Vorgängerin gemacht hat. Es ist weniger eine Geschichte von Liebe als von emotionaler Ausbeutung. Wo die realistische, alltägliche Zuneigung zweier Liebender bei einer Massenorgie oder dem Besuch bei einer Transgenderperson  bleibt, weiß wohl nur Gaspar Noé selbst. Statt bei Malick hätte er sich lieber bei dem japanischen Im Reich der Sinne Notizen machen sollen. Dort kann man lernen, wie man echten Sex mit einer emotionalen und intellektuellen Handlung verknüpft.

Die Kunst muss man erst suchen

© Thimfilm
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Wirklich kunstvoll ist nur die Arbeit des Kameramannes Benoit Debie. Dieser lässt die Kamera minutenlang über dem Bett schweben, oder konzentriert sich beim Dreier lange Zeit nur auf die Füße. Man spürt richtig seine Versuche, den Dreh nicht zum Porno abdriften zu lassen. Fast in jeder Sexszene findet er interessante Einstellungen und erzeugt tolle Bilder.

Leider wollte Noé den Film aber in 3D haben. Man kann mit dem Finger regelrecht auf die eine Szene zeigen, die er unbedingt in der dritten Dimension haben wollte. Der große Glory Shot des Filmes ist ein frontal aufgenommener Penis, der in die Kamera (und so in den Kinosaal) spritzt. Oh Gaspar, du Schelm du!

Was bleibt, ist ein über zwei Stunden langer Film, dessen Handlung maximal 50 Minuten füllen kann. Der Rest wird mit langem Hardcore Sex gefüllt. Wie bei einem Actionfilm funktionieren Explosionen und Kampfszenen nur, wenn dadurch eine gute Geschichte erzählt wird.  Gaspar Noé schafft es aber nicht mit dem Sex etwas Tiefsinniges über die Liebe von Murphy und Electra zu sagen. Stattdessen ist sein Love nur ein Transformers der Kunstwelt.

Verdikt (Patrick)

Film: Love
Rating:User2.Krammer.Rating2.Lukewarm.Frei Lauwarm (2 / 5)

Mit Love  schafft es Gaspar Noé nicht einen Film zu machen, der mehr ist als ein lauter Schrei nach Aufmerksamkeit. Der Sex bräuchte nicht hardcore sein und der Hauptcharakter ist so unsympathisch, dass man emotional alleine gelassen wird. Nur die Kamera von Benoit Debie kann man als gelungen und herausragend bezeichnen.

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Patrick Verfasst von:

Autor, Editor und Podcaster er kann schon mal Blockbuster und Kunstfilme mögen, am Ende des Tages verliebt er sich aber meistens in die Indies. Wenn er einmal etwas in sein Herz geschlossen hat, verteidigt er es wie ein treuer Hund.

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