Die Verlegerin (en.: The Post)

So schön können ein paar Tassen Kaffee sein.

Nach Lincoln und Bridge of Spies erzählt Steven Spielberg erneut von einer Institution, die sich schützend vor die amerikanische Idee stellt. Ob das, wie für manche Kollegen in den USA, ausreicht, um als inoffizielle Trilogie durchzugehen, sei dahingestellt. Unumstritten aber ist, dass The Post einmal mehr von einem Regisseur zeugt, der sein Handwerk durch und durch versteht.

Ein streitbares Arbeitsverständnis hatte hingegen Robert McNamara (Bruce Greenwood), seines Zeichens amerikanischer Verteidigungsminister in den 1960er Jahren und als solcher mitverantwortlich für die desaströse Involvierung der USA in den Vietnamkrieg. Als jene berüchtigten “Pentagon Papers” in die Hände der Washington Post fallen, die unter anderem auch McNamara stark belasten, landet Katharine Graham (Meryl Streep) in der Bredouille. Sie ist Verlegerin der Zeitung einerseits, und Freundin des Verteidigungsministers andererseits. Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) drängt auf eine Veröffentlichung, doch Graham ist ob persönlicher sowie politischer Bedenken zögerlich.

Elegante Fingerübung

Gebanntes Warten auf eine Entscheidung: Tom Hanks als Ben Bradlee (und noch viele andere gute Schauspieler) in “The Post” – © Universal Pictures

Man muss nicht an Schicksal oder anderes spirituelles Zeug glauben, aber soviel ist klar: Steven Spielberg ist auf die Welt gekommen, um Geschichten zu erzählen. Eine kurze, dynamisch inszenierte Anfangssequenz reicht ihm aus, um die wichtigsten Eckpunkte zu etablieren. Es gibt einen Kriegsberichterstatter, der Dinge sieht, die nicht stimmen können. Und dann wären da noch zwei Politiker, die im Flugzeug “A” besprechen, dann aber “B” zur Presse sagen. Innerhalb kürzester Zeit werden zentrale Figuren der Geschichte und jene historische Lüge etabliert, die der Handlung des Filmes zugrunde liegt. Chapeau!

Die Eleganz, mit der der alte Meister Erzählungen herunterspulen kann, bleibt auch im weiteren Verlauf beeindruckend. Manchmal mag das wie eine lockere Fingerübung wirken, es ist aber stets ein Genuss, bei dieser zuzusehen. Natürlich hilft es, dass Tom Hanks eine Rolle wie die des moralisch einwandfreien, entschlossenen Chefredakteurs förmlich aus dem Ärmel schütteln kann. Und noch viel hilfreicher sind die kleinen Gesten, wie etwa ein nervöses Herumspielen der Finger, mit denen Meryl Streep der (im deutschsprachigen Verleih) titelgebenden Verlegerin zusätzliche Tiefe verleiht.

Und plötzlich wird’s plump

Muss ich die Familie gefährden, um das Richtige zu tun? Meryl Streep als Katharine Graham in “The Post” – © Universal Pictures

Auch die Geschichte funktioniert absolut einwandfrei. Na klar lässt sich früh erahnen, wie sich Katharine Graham am Ende entscheiden wird. The Post gelingt es aber, das als tatsächlich heroischen Akt zu inszenieren. Dabei bedient sich das Drehbuch nicht zuletzt eines kleinen Tricks: Die Hauptfigur muss die selbe Entscheidung zwei Mal treffen. Das verleiht der Situation eine zusätzliche Endgültigkeit, die sich tragend und schwer anfühlt.

Schade ist lediglich die Tendenz des Filmes, schönen Subtext plötzlich plump auszusprechen. In einem Moment wird der tragende Konflikt wunderschön anhand eines Fotos etabliert. Doch gut 60 Sekunden später verspürt das Drehbuch das Bedürfnis, uns alles ganz genau zu erklären. EIn bisschen mehr Vertrauen ins Publikum hätte hier Wunder gewirkt. Noch schwerer wirkt das beim Feminismus, der diesem Film innewohnt. In einer wunderschönen Sequenz wird ganz nebenbei und ohne jegliche Melodramatik das typische Bild der Hausfrau entscheidend aufgewertet. Wer nicht glaubt, dass eine Sequenz, in der Bradlees Ehefrau (Sarah Paulson) einer Gruppe an Journalisten Kaffee bringt, emotional berühren kann, sollte dringend The Post schauen. Doch auch diese Eleganz wird später wieder zerschmettert, wenn Meryl Streeps Figur mit peinlicher Offensichtlichkeit als Befreierin der Frauen inszeniert wird. John Williams Musik, die die Emotionen nur so in uns hinein prügeln möchte, tut ihr übriges. All das ruiniert den Film keineswegs, nimmt ihm aber doch einiges von seiner schönen Subtilität.

Fazit (Michael):

Sehr Gut (4 von 5)

The Post ist ein wunderschön elegantes, subtil erzähltes Drama, das immer wieder interessante Details findet. Einzig der Hang des Filmes, sich selbst erklären zu wollen, trübt das Gesamtbild.

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