Zauberer

Wenn ein österreichischer Film wieder einmal auf die ZuschauerInnen vergisst.

In Zauberer suchen die unterschiedlichsten Personen nach zwischenmenschlichen Verbindungen. Was als interessantes Experiment beginnt wird schnell zu einer langatmigen Übung, die am Ende zu allem Überdruss auch noch schocken möchte. Für das Drehbuch, das auf unveröffentlichten Erzählungen von Clemens Setz basiert, bekamen die Drehbuchautoren Setz, Sebastian Brauneis und Nicholas Ofczarek zwar den Thomas Pluch Spezialpreis auf der Diagonale verliehen, aber besser macht das Zauberer auch nicht.

Warum die Kinderärztin entlassen wird, weiß man spätestens nachdem sie einen kleinen Jungen mitgenommen hat. © Thimfilm/Superfilm

Dabei fängt alles gut an. Eine Mutter, die ihren Sohn im Wachkoma pflegt, bestellt sich einen Prostituierten in die Wohnung, eine labile Ärztin nimmt nach ihrer Entlassung einfach den kleinen Tommy mit nach Hause, ein Schüler gibt sich am Telefon als notgeile Suzy aus und ein Therapeut lebt mit seiner erblindenden Frau die gemeinsamen Perversionen aus.

Preisgekrönt und schwach

Alle suchen eine tiefere Verbindung mit ihrer Umwelt und sich selbst. Der Film ist dabei eine Mischung aus Episodenerzählung und Mosaik, einzelne Handlungsstränge sind thematisch verbunden, müssen am Ende aber etwas zwanghaft zu einem großen Ganzen zusammenlaufen. Das passt nicht ganz zum Rest des Filmes, der laut Regisseur Brauneis “nonchalanter und passiver” sein soll, der “eine kontemplative Stilleentfalten”  soll.

Ein Mann beschreibt seiner blinden Frau einfach mal die Brüste der Baumarktmitarbeiterin. ©Thimfilm/Superfilm

Brauneis überlässt die Interpretation der Geschehnisse meistens den ZuschauerInnen, was ja super funktionieren könnte, aber gerade das Skript lässt den Film hängen. Womit wir wieder beim Drehbuchpreis der Diagonale wären. Zauberer hat sich nämlich für seine “Art zu erzählen, die sich nicht um Konventionen und Erwartungen schert, sondern radikal seiner inneren Stimme folgt” den Preis bekommen.

Leider werden oft Dinge besonders vage gehalten, die eigentlich nicht vage gehalten werden sollten. Aus der Idee, dass die ZuschauerInnen die Leerstellen einfügen können, entsteht deshalb ein Gefühl von Unwichtigkeit. Und wenn es die Filmemacher schon nicht interessiert, warum sollte es dann uns interessieren?

Das Potential wär ja da

Dass es Brauneis nicht gelingt die ganzen Elemente entweder miteinander zu verbinden und aussagekräftig voneinander getrennt zu halten, ist besonders schade. Zu stark wären manche Geschichten gewesen. Gerade Michaela Schausberger brilliert als Mutter, die mit allen Mitteln eine Reaktion ihres im Wachkoma liegenden Sohnes provozieren will. Ihre Einsamkeit und ihr Verlangen nach Nähe ist das mit Abstand stärkste Element in Zauberer.

Der Sohn im Wachkoma, die Mutter einsam daheim. ©Thimfilm/Superfilm

Das alles geht leider unter, wenn Zauberer am Ende die eigene Ruhe hinter sich lässt, um dann doch mit einem Knalleffekt zu enden. Die Episoden sollen zum Mosaik werden, die Einzelelemente der Handlungen verschieben sich in die anderen Erzählungen hinein und aus einer meditativ gemeinten Beobachtung wird ein Pseudothriller, den die Macher selbst als “Meta-Horrorfilm” bezeichnen.

Fazit (Patrick)

FilmZauberer
Rating:

Lauwarm (2 von 5)

Zauberer ist einer dieser österreichischen Filme, die betont künstlerisch sein wollen, obwohl sie das nicht müssten und sich gerade deswegen selbst im Weg stehen. Viel Potential ist einer Konstruktion zum Opfer gefallen, die sich nicht entscheiden kann, was sie eigentlich sein will.

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