Nightcrawler

Im Regiedebüt von Dan Gilroy (Drehbuchautor von Real Steel und The Bourne Legacy) begleiten wir Lou Bloom (Jake Gyllenhaal), welcher in die moralisch fragwürdige Welt der titelgebenden Nightcrawler eintaucht – Personen, die spätabends Unfälle oder Verbrechen Filmen, um das Bildmaterial an Morgenshows zu verkaufen.

Was folgt ist ein Abstieg in die düstersten Winkeln der Nachrichtenindustrie und eine „Erfolgsstory“ des aufstrebenden Lou neben der The Social Network wie eine aufmunternde Geschichte wirkt.

Der Mann ohne Sinn

Nightcrawler 1

Wir lernen Lou als einen Menschen kennen, für den Grenzen etwas sind, über das sich andere Sorgen machen können. So sucht er auch eine neue Beschäftigung, da er das Kupfer, welches er von Grundstücken stiehlt, nicht verkaufen kann – schließlich will niemand etwas kaufen, das so offensichtlich mit kriminellen Methoden erhalten wurde.

So kommt es, dass Lou ziellos durch die Gegend fährt und Zeuge eines Autounfalls wird. Und noch bevor die Rettungskräfte erscheinen können, ist schon ein Filmteam angeführt von Joe (Bill Paxton) vor Ort, welches ohne mit der Wimper zu zucken (und ohne zu helfen) die verwundete Frau im Auto filmt. Die erste Hilfe erscheint erst verspätet, doch selbst das stoppt Joe nicht, weiter zu filmen.

Denn Fernsehsendungen zahlen gutes Geld für jene Aufnahmen, sodass Lou ein neues Ziel vor Augen hat.

All the way to the top

Nightcrawler 2

Als würde man eine „Origin Story“ zu einem der skrupellosesten Menschen im Nachrichtenbusiness sehen, folgen wir Lou immer weiter, wie er sich vom kleinen Einzelkämpfer mit billigem Camcorder hochschwingt und immer mehr an Einfluss über Nina (Rene Russo) gewinnt, Chefin des kleinen TV-Senders, die regelmäßig Lous Videos kauft.

Kaum versieht man sich, hat Lou bereits einen Assisstenten in Rick (Riz Ahmed) gefunden, der wohl das nächste an einem Charakter ist, mit dem sich das Publikum identifizieren kann. Wie das Publikum ist sich Rick nie sicher, ob Lou ein Genie oder komplett geistesgestört ist. Vielleicht ist es gerade diese Faszination, die Rick nicht gehen lässt oder aber es ist seine unglaubliche Unsicherheit, die Lou mit eisigem Kalkül ausnutzt.

Doch was als Partnerschaft zum gegenseitigen Nutzen beginnt, verwandelt sich schnell in eine eindeutig dominierte Beziehung. Sei es Rick, welcher zum Handlanger von Lou verkommt oder Nina, die anfangs noch als Mentor für Lou fungiert, jedoch recht bald erkennt, dass man diesem Menschen besser aus dem Weg gehen soll.

Denn letztendlich ist Lou nur sich selbst Rechenschaft schuldig und er wird alles daran setzen, zu bekommen, was er will.

Crazy Eyes

Nightcrawler 4

Nightcrawler ist die Geschichte von Lou. Jeder andere Charakter ist lediglich hier, um uns ein besseres Bild des Protagonisten zu zeichnen und so hängt alles an der zentralen Performance. Und diese gibt Jake Gyllenhaal, der für seine Rolle über 10 Kilogramm abgenommen hat, zweifellos. Nuanciert wechselt er zwischen freundlich und bedrohlich, wütend und ruhig, bis hin zum völligen Soziopathen, welcher aber trotzdem nie aus der Haut fährt. Es sind diese Ruhe und Kühle, die Lou zu einem derart schockierenden Charakter werden lassen. Auch wenn Lou gegen Ende für meinen Geschmack etwas zu radikal gezeichnet wird, nimmt das nichts von der grandiosen Performance Gyllenhaals.

Ein mutiges Projekt

Nightcrawler 3

Wenige Filme haben den Mut, einen derart unsympathischen Protagonisten zu zeichnen. Auch schafft es Nightcrawler, das Interesse des Publikums an der Figur ununterbrochen zu halten. Sogar so sehr, dass ich ehrlich gesagt überrascht (und ein klein wenig enttäuscht) war, als der Film „schon“ nach zwei Stunden aufhörte.

Weiters muss man Dan Gilroy ein unglaubliches Kompliment machen, der neben dem Drehbuch auch zum ersten Mal als Regisseur fungierte. Denn auch wenn Nightcrawler zum Großteil von Gyllenhaals Performance lebt, ist die Atmosphäre um Lou herum essentiell, um diese zu verkaufen. Besonders eine lange Actionsequenz ist so gut inszeniert, als hätte der Regisseur schon jahrelange Erfahrung im Action-Genre.

Moviequation:

moviequation nightcrawler 10 kg

Fazit (Wolfgang):

Film: Nightcrawler
Rating:

User1.Wolfgang.Rating4.Great_.Frei_1
Sehr Gut (4 / 5)

Nightcrawler ist ein düsterer Film, der nicht davor zurückscheut, seinen Protagonisten so unsympathisch wie möglich – und gleichzeitig seltsam faszinierend – zu zeichnen. Jake Gyllenhaal gibt alles und verschlingt uns auf die gleiche Art, wie Lou alle um sich herum mit hineinzieht.

Die letzten Minuten waren für meinen Geschmack etwas zu einseitig und übertrieben, doch dies nimmt kaum von der vorangegangenen Erfahrung weg.

Weitere Meinungen aus der Redaktion

Fazit (Patrick):

Film: Nightcrawler
Rating:

User2.Krammer.Rating4.Great.Frei
Sehr Gut (4 / 5)

Fazit (Michael):

Film: Nightcrawler
Rating:

User3.Rating.4.Great_low_res
Sehr Gut (4 / 5)

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Wolfgang Verfasst von:

Der Host des Flipthetruck Podcasts. Mit einem Fokus auf Science Fiction und Roboter sucht er ständig jene Mainstream Filme, die sich nicht als reine Unterhaltungsfilme zufrieden geben.

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