John Wick

In einer Zeit, in der alternde Schauspieler verzweifelt versuchen als “Action-Opas” relevant zu bleiben, wirkt ein Film mit dem Hauptstar der Matrix-Trilogie ebenso uninspiriert. Dass Keanu Reeves aber mit John Wick ein Comeback nach Schnitzern wie 47 Ronin ein willkommenes Comeback feiert, ist eine super Überraschung in einer Film-Zeit, die hauptsächlich vom Oscar-Rennen dominiert wird.

Ein Mann, eine krebskranke Frau, ein süßer Hund

John Wick 2

Ganz im Stil von 80er Jahre Schwarzenegger Filmen wie Commando ist John Wick ein effizient schnell erzählter Actionfilm. In wenigen Minuten werden uns die Motivationen offen gelegt:

  • John Wick fröhlich mit Frau
  • Frau leidet an Krebs und stirbt
  • John Wick traurig
  • Süßer Hund, den krebskranke Frau an Keanu Reeves geschickt hat, damit er fröhlich bleibt.
  • John Wick fröhlich
  • Ein junger Punk Iosef Tarasov (Alfie Allen), der John Wick’s Auto mag
  • John Wick leicht aggressiv
  • Iosef stiehlt John Wicks Auto UND tötet dabei den Hund
  • John Wick holt die Waffen aus dem Keller und beginnt seinen Rachefeldzug

Denn was Iosef nicht bewusst war ist die Tatsache, dass es sich bei John Wick nicht um einen langweiligen Normal-Bürger handelt, der sein Leben vor sich hin lebt. Schockiert muss ihm sein Mafioso-Vater Viggo Tarasov (Michael Nyquist) erklären, dass dieser Mann ein brutaler Killer ist, eine unaufhaltsame Tötungsmaschine, die in der Unterwelt gefürchtet ist und sich eigentlich vor Jahren in den Ruhestand begeben hat.

Badass ohne Selbstironie

John Wick 3

Der zentrale Gag von John Wick rührt von der Tatsache, dass die ganze Welt Angst vor Keanu Reeves’ Charakter hat und eine nahe liegende Beschreibung wäre natürlich der Ausdruck Badass, doch würde dies falsche Erwartungen schüren. In meinen Augen ist jener Begriff gleich anderen Wörtern wie epic etwas ausgelutscht und für mich schon mehr eine abwertende Bezeichnung für pseudocoolen Dialog ohne Substanz als eine Bezeichnung für Charaktere wie jene, die Schwarzenegger in den 80ern verkörpert hat.

Denn der Witz von John Wick funktioniert deswegen so sehr, weil das Drehbuch nicht dauernd oberschlau die Handlung kommentiert, sondern die Komik aus der brutal ernsten Situation erschafft. Was dem in die Hände spielt ist die Tatsache, dass Keanu Reeves zwar körperlich wie ein Monster aufgepumpt ist, aber den Charakter von John mit der gleichen Fragilität und fast schon Schüchternheit spielt, die er als Neo in Matrix an den Tag gelegt hat.

Denn John Wick ist einfach ein Charakter, der keine Freude aus seiner Arbeit zieht, diese aber trotzdem zu erledigen hat. Doch konstant hat Reeves jenen Blick auf den Boden, der ständig kommuniziert “Ich weiß, dass das alles verdammt unangenehm ist und am liebsten wäre ich wo anders”. Und eben diese angenehme Performance lässt den Protagonisten nicht lästig und pseudo-Badass werden, denn im Vergleich zu jenen Filmen, die den Charakter als Gag-Action-Ventil missbrauchen, bleibt John Wick immer sich selbst treu.

Kein Genieren

John Wick 1

Neben dem schwarzen Humor, welcher den Film durchzieht, ist John Wick ein erfrischend selbstsicherer Film. Hier werden keine Forest Whitaker-Nebenhandlungen eingeführt, um die Laufzeit zu strecken. John Wick geniert sich nicht für seine 1h40 Laufzeit. Gleichzeitig gibt Keanu Reeves’ nüchterne Performance den Ton für den gesamten Film an.

So erschafft der Film eine Hyper-Verbrechenswelt mit eigenen Codizes, die das Verhalten in Hotels festlegen, die so lächerlich unplausibel sind, dass sie fast schon S.H.I.E.L.D. Konkurrenz machen könnten, doch nie versucht das Drehbuch sich zu rechtfertigen. Der Film hat Spaß, ohne einem ins Gesicht zu schreien, wie verrückt all das ist. Eine Tatsache, die den gesamten Film noch abstruser erscheinen lässt.

Einfach nur gute Action

John Wick 4

Wie schon zu Beginn gesagt, befindet sich das Actiongenre in einem sehr maroden Zustand, denn für jeden The Raid 2: Berandal gibt es ein Expendables 3, Taken 3 und The Equalizer. Umso wichtiger ist John Wick, welcher wieder zeigt, dass es mehr benötigt, als wild mit der Kamera zu wackeln, um eine Action-Szene zu inszenieren.

Das liegt wohl zum Großteil daran, dass hinter der Kamera das Regieduo Chad Stahelski und David Leitch ihr Regiedebüt feiern. Die beiden gründeten das Stuntstudio 87Eleven und waren als Second Unit*-Regisseure tätig. Und man merkt das Handwerk der beiden im gesamten Film, denn die Actionszenen sind keine gezwungenen Passagen, die den Film für ein paar Minuten laut unterbrechen. Die Konflikte ergeben sich organisch aus der Handlung und mit viel Detail und Gravitas werden die Momente vor den Konfrontationen inszeniert, sodass die Actionszene lediglich das letzte Glied in einer erzählerischen Kette ist.

Und auch Keanu Reeves muss ein großes Lob ausgesprochen werden. Er mag vielleicht kein Shakespeare Schauspieler sein, aber er ist eindeutig jemand, der seine Passion verfolgt und mit seinem Star-Einfluss talentierte Leute wie Stahelski und Leitch unterstützt. Zwar kann das hin und wieder zu einem Ausrutscher wie 47 Ronin führen, doch solange er Dokus produziert und Filme wie John Wick auf die Leinwand bringt, sei ihm alles vergeben.

Moviequation:

moviequation john wick

Fazit (Wolfgang):

Film: John Wick
Rating:

User1.Wolfgang.Rating4.Great_.Frei_1
Sehr Gut (4 / 5)

Ich kann einfach keine Kritik über genial inszenierte Comedy verfassen, ohne zumindest einmal Airplane! zu erwähnen. Denn ebenso wie John Wick ist Airplane! nur deswegen so lustig, weil die Charaktere 100% ernst sind und dadurch die Witze aufschaukeln. Insofern kann es nur eine Empfehlung sein, wenn mich ein Film sowohl an The Raid 2 als auch an Airplane! erinnert!

*Anmerkung: Second Unit ist grob gesagt eine Beschreibung für Szenen, in denen die Hauptdarsteller nicht zwangsläufig involviert sind. Dies kann von Verfolgungsjagden und Stuntszenen bis hin zu Panorama-Aufnahmen reichen.

Weitere Meinungen aus der Redaktion

Fazit (Patrick):

Film: John Wick
Rating:

User2.Krammer.Rating4.Great.Frei
Sehr Gut (4 / 5)

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