Interview: Alan Rickman

Die meisten kennen ihn wohl als Professor Snape in den Harry Potter Filmen, jetzt kommt mit Die Gärtnerin von Versailles (engl.: A Little Chaos) Alan Rickmans zweite Arbeit als Film-Regisseur (neben Regiearbeiten am Theater feierte er 1997 mit The Winter Guest sein Regiedebüt). Wir durften uns mit dem Schauspieler/Regisseur zusammensetzen, um ihn zu seinem neuesten Film zu interviewen.

Da Ansuchen auf Fotos mit Mr. Rickman abgelehnt wurden, mussten Michael und Wolfgang für den Interview Selfie etwas improvisieren.

Wir haben sowohl die Audio-Version, als auch eine geschriebene deutsche Version des Interviews für euch. Eine Diskussion zum Film gibt es in einem unserer kommenden Podcasts.

Viel Spaß!

Das Interview (Transkript):

Wie kam es zur Entstehung des Filmes?

Das Drehbuch ist ein Erstlingswerk von Alison Deegan. Sie hat es mir geschickt, weil sie The Winter Guest gesehen hat und sich dachte, das passt irgendwie zu mir. Über die Jahre hinweg habe ich mit ihr gearbeitet, um es an einen Punkt zu bringen, an dem man die Finanzierung für das Projekt auftreiben konnte und der Film auch nicht das Budget sprengte. Als wir an diesem Punkt angelangt sind, war es fast, als hätte es das Schicksal so gewollt, denn Kate [Winslet] war nun im richtigen Alter für die Rolle.

Als wir den Cast für den Film zusammenstellten, wurde Matthias’ [Schoenaerts] erwähnt. Da ich  Rust and Bone gesehen hatte, dachte ich „Er ist ein großartiger Schauspieler, ich frage mich ob er einen Sinn für Humor hat“ und die zweite Frage war, ob er Englisch spricht, sonst hätten wir es gleich vergessen können.  Als ich ihn dann in einem Interview sah und er in perfektem Englisch mit amerikanischem Akzent sprach, war es nur noch notwendig, den Akzent loszuwerden.

In einer Szene des Filmes sagt Ludwig XIV. (Alan Rickman) zu André le Nôtre (Matthias Schoenaerts) „Wir haben nicht genug Zeit, um die Dinge zu ernst zu nehmen“. Können Sie sich persönlich mit dieser Aussage identifizieren?

Nun ja, ich bin ein Realist und ich habe nicht das Budget von Ludwig dem 14. Aber ich versuche, dass Leben sowohl ernst, als auch ein bisschen weniger ernst zu nehmen. Es ist ein bisschen so wie Ms. Winslets Arbeitsmentalität. Sie ist unglaublich fokussiert und vorbereitet, aber immer bereit zu lachen. Sie ist immer vorbereitet und kommt ans Set, geht zu den anderen Schauspielern und hört ihnen einfach zu.

Ludwig XIV. ist eine historisch sehr vorbelastete Person. Im Film haben sie ihn jedoch sehr nüchtern gespielt, wie kamen Sie zu dieser Entscheidung?

Ich selber habe das nicht entschieden, es kam aus dem Drehbuch. Und auch wenn drei Autoren [Alan Rickman, Jeremy Brock, Alison Deegans] angeführt werden, ist es Alison Deegans Skript. Jeremy und ich haben strukturelle Änderungen vorgenommen und haben Vorschläge gemacht, damit das Budget eingehalten werden konnte, aber es ist ihr Skript und Sabine ist ihre Kreation. Eine Frau wie Sabine hätte in dieser Zeit nicht existieren können.

Und in diesem Drehbuch ist ein Ludwig XIV, der in einem kleinen Garten sitzt, weil er traurig über den Tod seiner Frau ist, und dort mit einer Frau redet, die ihn für einen Gärtner hält. Er ist zwar sympathisch, weil er um seine Frau trauert, aber ihm gehen auch andere Dinge durch den Kopf.

Mir gefällt, was Alison gemacht hat – es ist kein Portrait von Ludwig XIV, es ist kein Biopic, sondern verwendet einen historischen Rahmen, um eine Geschichte über Sabine und Le Nôtre zu erzählen. Und da es von einer Frau geschrieben wurde, lädt der Film zum Nachdenken über die Rolle der Frau in einer von Männern dominierten Welt ein.

Hier ist also die archetypisch dominierte männliche Welt und in einer Szene am Ende öffnen sich einige Türen und eine Masse an Männern erscheint. Die anderen Türen öffnen und eine Masse an Frauen erscheint und kniet sich vor den Männern hin. [lacht ironisch]

Eine wichtige Szene ist zu Beginn, als Madame de Barra beim Vorstellungsgespräch die einzige Frau in einer männerdominierten Welt ist. Diese Problematik ist auch heute noch sehr aktuell.Könnte man also sagen, dass sie den historischen Kontext nutzen, um moderne Themen zu verarbeiten?

Ja. Das fand ich sehr interessant, dass man eine moderne Geschichte in altes Gewand packen kann. Es sollte daher auch kein Kostümfilm sein. Darum tragen wir im Film keine Kostüme, sondern normales Gewand, in dem man sich auch bewegen kann.

War diese Entscheidung auch davon beeinflusst, dass insbesondere Kate Winslets Charakter ständig körperlich aktiv war und sie sich in Kostümen gar nicht so bewegen hätte können?

Ja genau. Ich habe gehört, dass viele Leute nach einiger Zeit das historische Setting vergessen. Sie sehen dann einfach diese Geschichte über zwei Menschen und haben dabei sehr moderne Gedanken darüber, wie Männer und Frauen miteinander auskommen bzw. nicht miteinander auskommen und woran es scheitert.

Haben Sie Angst davor für die Veränderung der historischen Tatsachen kritisiert zu werden?

Nein. Ich liebe zum Beispiel Sofia Coppolas Marie Antoinette Film und denke, dass man Geschichte besser versteht indem man sie aus verschiedenen Winkeln betrachtet. Das ist auch etwas, das Filme machen können – ein Film sein, nämlich. Es ist so offensichtlich, dass de Barra eine Erfindung ist. Wenn man den Film sieht und sich denkt, diese Frau ist aber grotesk, ist man selbst das Problem. [lacht]

Sehen Sie den Film als Allegorie auf unser modernes Frauenbild?

Ja natürlich, denn auch heute sehen wir Frauen noch viel zu oft als Objekte. Es gibt immer noch viele Frauen, die für Männer gut aussehen müssen.

Ende des Interviews

Eine Diskussion zu Die Gärtnerin von Versailles (engl.: A little Chaos) gibt es in einem unserer kommenden Podcasts!

 

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