A World Beyond (engl.: Tomorrowland)

Mit A World Beyond kommt nach Fluch der Karibik ein weiterer Disney-Film ins Kino, welcher auf einem Teil des Disneylands basiert. Unter der Regie von Brad Bird (The Incredibles, Mission Impossible: Ghost Protocol) liefert das Unterhaltungsstudio einen visuell umwerfenden Film, welcher das Herz am richtigen Fleck hat, dessen Schwächen im Drehbuch aber die Erfahrung etwas trüben.

Die Welt ist am Ende, ich weiß!

Tomorrowland 3

Nach einem Prolog in den 60er Jahren (welcher überraschend viele Science-Fiction Elemente vorzuweisen hat) treffen wir Casey (Britt Robertson), welche das Publikum in die Welt von Tomorrowland führt. Caseys Entdeckerdrang und Optimismus lässt sie nicht stillhalten. Natürlich weiß sie aus dem Schulunterricht, dass die Erde vor die Hunde geht: Polkappen schmelzen, Epidemien, Aufstände, Krieg… die Welt ist ein unglaublich gruseliger Ort. Doch Casey will sich nicht damit abfinden, sie will wissen, wie man diese vermeintliche Apokalypse verhindern kann.

Als sie einen mysteriösen Pin in die Hände bekommt, überschlagen sich die Ereignisse: Casey erfährt Visionen einer futuristischen Welt, Comicverkäufer entpuppen sich als Killerroboter und nur durch die Hilfe eines kleinen Mädchens namens Athena (Raffey Cassidy) kann Casey entkommen. Gemeinsam begeben sie sich nun auf die Suche nach dem Erfinder Frank Walker (George Clooney), der weiß, wie man das mysteriöse Tomorrowland aus Caseys Visionen finden kann.

Clooney als Grantler

Tomorrowland 4

Eine der großen Stärken von Tomorrowland ist die Chemie zwischen Casey und Frank, denn George Clooney spielt dieses Mal endlich nicht Mr. Nespresso, sondern einen geschlagenen Wissenschaftler, welcher den Glauben an die Welt verloren hat. Dass es gerade Casey ist, die seinen Optimismus erweckt und ihn wieder an das Gute glauben lässt ist so offensichtlich wie der Großteil von Tomorrowlands Handlung, aber das mindert nicht die angenehme Chemie der beiden Charaktere, die sich offensichtlich nicht ausstehen können.

Im Vergleich zu vielen anderen Buddy-Stories funktioniert der Konflikt zwischen den beiden und es macht durchaus Spaß ihnen zuzuschauen. Die gesamte Dynamik zwischen Grantler Frank und Optimist Casey wird noch balanciert durch Athena, deren komplizierte Beziehung zu Frank die Zeit angenehm vergehen lässt. Trotz der Drehbuchschwächen schaffen es die Schauspieler, dass man sich mit den Charakteren identifiziert und kombiniert mit der hervorragenden Regie kommt hin und wieder das Feeling jener vergangenen Abenteuer Filme wie Indiana Jones auf, in denen man einfach nur das Abenteuer genießt.

Brad Bird als Meisterregisseur

Trotz erzählerischer Schwächen brilliert Brad Bird wieder einmal als Regisseur. Ob es nun eine chaotische Prügelei in einem Comic Geschäft ist, eine übertriebene Belagerung eines Farmhauses oder Tomorrowland in all seiner Schönheit – die Kamera führt uns angenehm durch die Welt und erlaubt genug Zeit, die Details zu bestaunen.

Schon in Mission Impossible: Ghost Protocol bewies der ehemalige Pixar-Regisseur, dass sein Verständnis für Bildsprache sich ebenso perfekt für Live Action eignet, und auch in Tomorrowland überzeugt er. Im Vergleich zu Ghost Protocol ist dieser Film aber auch viel näher am Stil eines Pixarfilmes. So kombiniert das Set-Design erfolgreich Steampunk mit moderner Computer Animation und sorgt für einen angenehm merkwürdigen Ton. Der konstante Kontrast von Sets wie etwa Franks Farmhouse, welches auf den ersten Blick banal erscheint, aber voller merkwürdiger retro-Waffen ist macht den Spaß des Filmes aus.

Disney als Retter der Welt

Tomorrowland 5

Tomorrowland hat das Herz am richtigen Fleck und ähnlich wie Interstellar behandelt er die Tatsache, dass man das optimistische Denken und das “Greifen nach den Sternen” in Kindern fördern soll, alles im Grunde Zutaten für einen tollen Film. Mit sympathischen Schauspielern und exzellenter Regie sollte dieser Film ein absoluter Erfolg sein…

Wäre da nicht ein sehr plattes Drehbuch. Geschrieben von Brad Bird und Damon Lindelof (Prometheus, Lost) schwankt Tomorrowland zwischen ambitionierten Konzepten und derartig plumper Sprache, dass man den Film fast schon als Disney Propaganda Film abschreiben kann. Auf eine sehr merkwürdige Art vereint der Film die guten und schlechten Seiten des Maus-Imperiums. Fröhlicher Optimismus ist eine nette Idee. Auch dass Wissenschaftler und Künstler am titelgebenden Tomorrowland arbeiten, frei von Politik ist ebenso positiv… aber wenn einer der Eingänge zu Tomorrowland im Disneyland ist, muss man schon alle Augen zudrücken, um nicht den Werbespot zu sehen.

So hüpft der Film zwischen einem unschuldigen Abenteuer und einem Rekrutierungsvideo hin und her. All das wird nicht besser, wenn man noch Tesla Verschwörungstheorien hinein wirft (aber das sollte bei Damon Lindelofs vorangegangenen Werken keine Überraschung mehr sein) und den gesamten Film als Promotionvideo für einen Themenpark inszeniert.

Moviequation:

Moviequation Tomorrowland

Fazit (Wolfgang):

Film: Tomorrowland
Rating:

User1.Wolfgang.Rating3.Recommendable.Frei_1
Empfehlenswert (3 / 5)

Im Vergleich zu Fluch der Karibik entkommt A World Beyond (Tomorrowland) nie seiner Themenpark-Vorlage. Die geniale Regie von Brad Bird und die Chemie zwischen den Hauptdarstellern hält das lose Drehbuch knapp zusammen, doch wer Probleme mit Disney hat, wird schwer über die Tatsache hinwegsehen können, dass Tomorrowland ein sehr offensichtlicher Rekrutierungsfilm für das Riesenstudio ist.

Sharing is Caring:
Wolfgang Verfasst von:

Der Host des Flipthetruck Podcasts. Mit einem Fokus auf Science Fiction und Roboter sucht er ständig jene Mainstream Filme, die sich nicht als reine Unterhaltungsfilme zufrieden geben.

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.