Sing Street [Weihnachst Engerl-Bengerl 3 Von 4]

Dass die 1980er ein Jahrzehnt voller musikalischer Höhepunkte war, zeigt John Carney in seinem Gute-Laune-Streifen Sing Street mit viel Hingabe.

Anmerkung: Diese Kritik wurde im Rahmen unseres Flip the Truck – Engerl-Bengerl* geschrieben. Die vier AutorInnen bekamen jeweils eine Filmempfehlung. Vom wem die jeweilige Filmempfehlung stammt wird im Weihnachtspodcast am 22. Dezember gelüftet!

Conor (Ferdia Walsh-Peelo) ist ein Teenie im Dublin der 1980er Jahre. Das Land und seine Leute befinden sich in einer totalen wirtschaftlichen Schieflage und viele von den Iren suchen ihr Glück im verheißungsvollen London. Auch Conors Familie hat unter der Krise zu leiden, so dass der Junge in eine öffentliche, katholische Schule wechseln muss, wo nicht gerade das Wohl der Kids im Vordergrund steht. Entweder man wird vom Direktor und hauseigenen Priester schikaniert, oder eben von den Schulhof-Bullys.

Und was kann einen jungen Burschen aus so einem Trott herausholen? Die Liebe, natürlich. Denn eines Tages entdeckt Conor die hübsche Raphina (Lucy Boynton) und verklickert ihr prompt, in einem Anflug von Mut, dass er in einer Band spielt und sie noch ein Model für den Videoclip suchen. Hier könnte man die Story wohl dorthin führen, dass Conor verzweifelt versucht eine Band zu gründen, die dann mega kacke ist und er so von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt.

Musik ist immer eine gute Idee.

Constantin Film

Aber Carney (Once, Can a Song Save Your Life) stürzt seine Figuren nicht in peinliche Situationen. Nein, er geht wahnsinnig liebevoll mit der jugendlichen Naivität und den persönlichen Macken seiner Charaktere um, lässt sie jung und sorglos, aber gleichzeitig auch sehr fleißig und zielstrebig sein. Sing Street ist aber nicht nur eine Ode ans Jungsein, sondern auch an die 1980er Jahre. Die Musik, die Mode, die Mentalität: Alles wird von Carney auf nostalgische Art gedreht und gewendet, ohne die schlechten Seiten unter den Tische fallen zu lassen. Klar, das ist hier kein Melodrama über Dublin in der Krise, aber die Melancholie eines Lebens in nicht so guten Verhältnissen schüttelt der Film nie ab.

Es ist eine bittersüße Komposition aus Szenen voller Freundschaft, Kreativität und Freude, aber auch Identitätskrisen, persönliche Rückschläge und Trauer finden ihren Platz. Zum Beispiel wenn Conors älterer Bruder Brandon (Jack Reynor) darüber spricht, wie es ihm geht, wenn er sieht, dass Conor aufblüht, während er selbst auf der Strecke bleibt. Oder wenn Raphina Stückchenweise aus ihrem Leben in einer gewaltvollen Familie erzählt. Es sind ehrliche, emotionale Momente ohne Tränendrüsen-Gedrücke.

Ein Mädchen trifft auf einen Jungen.

Constantin Film

Was den Film aber für mich, also den größten 80’s Fan ever, so besonders macht, ist die Musik und all die Referenzen auf die Populärkultur des Jahrzehnts. Denn Conor gründet eine Band und sie geben sich richtig Mühe, den Trends ihrer Zeit zu folgen. Dabei lassen sie sich von den verschiedensten Stilen beeinflussen. Mal ergeben sie sich der Melancholie der Post Punk Legenden The Cure und spielen traurige Klänge am Meer, ein anderes Mal nehmen sie die Inspiration direkt aus den Staaten, wo man sich den Rock’n’Rolligeren Klängen von The Cars zuwandte.

Dann gibts da natürlich noch Adam and the Ants, Duran Duran, A-ha und viele weitere KünstlerInnen, die erwähnt oder nachgeahmt werden. Es ist eine richtige Werkschau des, wie ich finde musikalisch extrem vielfältigen, Jahrzehnts, ohne dabei wie eine Best-Of-Liste zu wirken. Und dafür muss man wirklich ein großes Kompliment aussprechen, denn die Fans werden bedient, aber nicht auf Kosten von extrem cheesy Fanservice.

Die 1980er in schönster Manier.

Constantin Film

Sing Street macht wirklich extrem gute Laune. Das liegt sicher einerseits an den tollen JungschauspielerInnen, andererseits aber auch an der Musik, die extra für den Film geschrieben wurde. Da könnte man vielleicht ein Kleingeist sein und sagen, dass manche Tracks wie “Girls” oder “Up” wegen den Arrangements und den Vocals viel zu modern für die 1980er klingen. Das wird einen normalen, nicht 80’s-Nerd, wohl nicht aus dem Film katapultieren, aber man kann wohl mal ein bisschen klugscheißen.

Wenn man wegen dieser Review das Gefühl hat, als Nicht-Kenner des längst vergangenen Jahrzehnts nicht in die Zielgruppe dieses Filmes zu gehören, dann soll man bitte alles vergessen, was ich bis jetzt geschrieben habe. Sing Street ist ein Film für alle, die Gute Laune haben möchte, die gute Musik hören möchte und für jene, die schon mit Streifen, wie The Boat that Rocked, Pride oder Billy Elliot eine verdammt gute Zeit hatten.

 

Fazit (Anne-Marie)

Film: Sing Street

Rating: Sehr Gut (4 / 5)

Sing Street hat alles, was ein Gute-Laune-Film so braucht: Geniale Musik, sympathische und liebenswerte Charaktere und eine Story, in die man sich so richtig reinfühlen kann. Wunderschöne Ode an die 1980er Jahre und das Jungsein!

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