Flip the Truck | The Dark

The Dark

Horror in Kanada aus Österreich.

Josef Hofer (Karl Markovics) hat ein Geheimnis. Deutscher Akzent in einem englischsprachigen Film und panische Blicke wenn er eine Landkarte einkauft, sind die erste Zeichen dafür, dass man ihm nicht trauen sollte. Und wenn ein solcher älterer Herr mit Vornamen Josef heißt und gesucht wird, kann man sich schnell zusammenreimen, dass unter der Decke in Josefs Auto nicht nur Campingausrüstung zu finden sein wird. Auf der Flucht vor der Polizei versteckt sich Josef im Wald, der lokal als Devil’s Den berüchtigt ist, doch hätte er besser auf die Warnungen hören sollen. Denn ein menschenfressendes Zombie-Mädchen (Nadia Alexander) treibt dort sein Unwesen. Das Mädchen entdeckt in Josefs Auto den zusammengekauerten Alex (Toby Nichols), dessen Augen geblendet und grausam vernarbt sind. Alex ist traumatisiert von Josef und schnell stellt sich heraus, dass auch das Zombie-Mädchen – Mina ist ihr Name – eine ebenso grausame Geschichte erlebt hat. Eine Freundschaft zwischen zwei Opfern beginnt.

Flip the Truck | The Dark | Nichols & Alexander

Zwei Opfer, eine ungewöhnliche Freundschaft: Mina (Nadia Alexander) und
Alex (Toby Nichols) in
The Dark – © Dor Film

Österreichischer Film?

The Dark ist zwar fast ausschließlich englischsprachig und wurde in Kanada gedreht, hinter der Kamera und den Finanzen steckt jedoch eine österreichische Produktion. Regie führen Justin P. Lange und Klemens Hufnagl, wobei Hufnagl (MacondoJoy) sich auch für die Kamera verantwortlich zeichnet. Und der Produktion muss hier ein großes Lob ausgesprochen werden, denn sie braucht sich nicht unter dem oft verwendeten Schutzschirm der “Eh gut für einen österreichischen Film”-Rhetorik verstecken. Das grausame Make Up von Mina (Maske: Marissa Clemens), sowie Hufnagls Kamera sind besonders hervorzuheben. Auch das herrlich grindige Haus im Wald ist hervorragend. Alle Zutaten also da…

The Dark | Karl Markovics | Flip the Truck

Atmosphärische Produktion, grindiges Set, Gute Schaupieler… alles da, Karl Markovics in The Dark – © Dor Film

Nur Subtext

Und leider kommt das Drehbuch nie ganz ins Rollen. Zwar dauert The Dark nur knappe 90 Minuten, aber diese vergehen unsagbar zäh. Der Subtext der beiden traumatisierten Menschen, die sich gegenseitig heilen ist schnell ersichtlich. Doppeldeutige Dialoge werden vom Drehbuch verstreut, aber warum fällt mir ein solch kleines Detail bereits beim ersten Mal schauen auf?

Flip the Truck | The Dark

Das wahre Monster ist…. DIE GESELLSCHAFT! Karl Markovics in The Dark – © Dor Film

Wahrscheinlich liegt das an der Tatsache, dass The Dark abgesehen von eben jenen lobenswerten Allegorien wenig Substanz bietet. Vielleicht ist das wahre Monster nicht das menschenfressende Zombiemädchen… eine schöne Aussage, aber es braucht mehr um einen Langfilm zu füllen. Die Freundschaft zwischen Mina und Alex ist klar ab dem ersten Moment, wo die Figuren einander treffen und es wird wenig dramatischer Konflikt geboten, um diesen Bund auszuarbeiten oder zu entwickeln. Trotz dieses Mangels wartet das Drehbuch jedoch, bis sie Freundschaft schließen, denn der 3-Akt-Struktur muss natürlich gefolgt werden. Externe Bedrohungen sind minimal und auch die Konflikte zwischen den beiden ProtagonistInnen beschränken sich auf pflichtvolles Geplänkel, bis der Film endlich vorbei ist. Weder Mina, noch Alex haben die Chance, mehr aus ihrer Rolle und Metapher zu machen.

 

Fazit (Wolfgang):

Film: The Dark
Rating:

User1.Wolfgang.Rating2.Lukewarm.Frei_1
Lauwarm (2 / 5)

Zu sagen, dass The Dark mich absolut kalt gelassen hat, tut wirklich weh. Die Schauspieler passen, die Produktion ist top, das Herz ist am richtigen Fleck, die Macher verstehen, dass Horror als Parabel verwendet werden kann (und soll)… aber leider klickt das Gesamtbild nicht. 90 Minuten ziehen sich in die Ewigkeit und ein bisschen mehr Text auf dem offensichtlichen Subtext hätte durchaus geholfen.

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