Pan

Der kostümaffine Joe Wright (Atonement, Pride and Prejudice) versucht sich in Pan an einer Originstory des bekannten fliegenden Kindes, das nie erwachsen werden wollte. Helfen soll ihm dabei eine starke Besetzung inklusive Hugh Jackman und Rooney Mara, doch nicht einmal das hilft wirklich.

Der Auserwählte

Während im zweiten Weltkrieg die Deutschen ihre Luftangriffe auf London fliegen muss der junge Peter (Levi Miller) in einem Waisenhaus leben. Doch immer wieder verschwinden Kinder. Die Ordensschwester spricht oft von nächtlichen Adoptionen nach Kanada, doch als Peter eine Nacht aufbleibt, um dem nachzugehen, wird er von Piraten auf ein fliegendes Schiff entführt. Im Neverland angekommen, muss er fortan für den Oberpiraten Blackbeard (Hugh Jackman) in einer Mine nach Feenstaubkristallen suchen. Doch ihm gelingt die Flucht mit dem älteren Sklaven Hook (Garrett Hedlund) und er begibt sich auf die Suche nach seiner verlorenen Mutter, die ihn zu den Ureinwohnern von Neverland führt.

Avatar als Vorbild

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Nach der ersten Luftschlacht zwischen dem fliegenden Piratenschiff und englischen Kampfflugzeugen beginnen schon die Zweifel zu wachsen, mit Unmengen an CGI wird hier viel zu offensichtlich der Computer zu Hilfe genommen, als dass man wirklich mitfiebern könnte. Und so geht es dann leider auch weiter. Joe Wright war anscheinend wirklich daran interessiert einen Abklatsch von Avatar zu machen, teilweise verwendet er sogar gleiche Strukturen und Handlungspunkte. So muss Peter bei einem Piratenangriff mit einem der Nimmervögel fliegen (riesige, bunte Vögel, die an einem Abgrund hausen). Avatars Lebensbaum wird durch eine Kristallwelt ersetzt, in welche die Feen geflüchtet sind.

Bisserl was muss doch auch positiv sein

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Der Film ist ein Fleckerlteppich an zusammengefladderten Elementen anderer (und besserer Filme). Am besten ist Pan, wenn er die gestohlenen Elemente gut einsetzt. So ist die Feenwelt eine riesige Superman ähnliche Fortress of Solitude. Und auch wenn sich der Drehbuchautor Jason Fuchs das nervigen Plotdevice in Form eines Auserwählten einführt, wird die Prophezeiung zumindest in einer gut gemachten, Harry Potter 7.1-artigen Animation gezeigt. Die besagte Sequenz ist auch eine der wenigen guten Animationen, welche der Film vorweist. Zudem lösen sich die getöteten Ureinwohner in bunte Rauchwolken auf, eine kreative Lösung, will man  in einem Kinderfilm natürlich keine Leichen am Boden liegen sehen.

Wenn man in ein Fantasieland kommt, möchte man doch überrascht werden und es sollen Dinge passieren, die man sich so nicht erklären kann. Für die Figuren reichen dabei Riesenvögel und fliegende Piratenschiffe, für den Zuschauer ist das alles nix Neues mehr. Spannend wird die Sache erst als Blackbeards Minenarbeiter eine A capella Version von Smells like Teen Spirit anstimmen und später in ein Blitzkrieg Bop Medley übergehen.  Wieso diese Lieder bei Neverland Piraten bekannt sind bleibt offen, doch vielleicht ermöglicht es dem noch interessierten Zuschauer darüber zu philosophieren. Liegt es an dieser komischen Welt? Vielleicht können sie ja nicht nur durch Raum reisen, sondern auch durch die Zeit? Wenn man Glück hat verbringt man einige Minuten mit seinen Gedanken und überhört ein paar der brutal aufgezwungenen Witze, die wohl niemanden zum Lachen bringen werden.

Lauf amal im Stand 

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Richtig heftig wird es für den Zuschauer, wenn Peter und Hook durch den Dschungel flüchten müssen. Jeder kennt die schlechten Youtube Videos in denen Menschen im Stand durch einen schlecht animierten Hintergrund laufen. Nichts anderes passiert in Pan. Ich habe bei einem so teuren Film (ca. $ 150 Millionen) selten so ein schlechtes Laufen gesehen. Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Die Schauspieler müssen im Stand laufen und es fallt dem Zuschauer auf. In der Zeit von Dawn of the Planet of the Apes

Der charmanteste Charakter in Pan ist wohl Hook, der auf Han Solo macht. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen, hin und wieder sind diese Sprüche sogar unterhaltsam und eigentlich will er nur bei der Prinzessin Tiger Lilly (Rooney Mara) landen. Wenn man schon weiß, dass der Film die Strukturen anderer Filme ausborgt, dann kann man fast schon erraten wie der Handlungsbogen dieses Charakters wohl verlaufen wird.

Die armen Schauspieler

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Bei all den schlechten Dingen, die dieser Film so aufführt, kann man wirklich überhaupt kein böses Wort über die Schauspieler verlieren. Der junge Levi Miller gewann schon im Alter von fünf Jahren eine Auszeichnung aufgrund seiner Performance als Peter Pan und er schlägt sich hier mehr als beachtlich. Über die Qualitäten von Hugh Jackman und Rooney Mara muss man zu diesem Punkt kein Wort mehr verlieren. Jackman ist mit Haut und Haar Blackbeard und formt den Charakter als interessante Mischung aus Bösewicht und sensiblem Philosophen. Rooney Mara bekommt nicht allzu viel zu tun, ist aber immerhin sympathisch. Garrett Hedlund hat Charme, der ein bisserl im Kontrast mit seiner Cowboystimme steht. Teilweise merkt man dabei regelrecht wie sich die Schauspieler beim Publikum zu entschuldigen versuchen, wenn sie die zigtausendste nervige Anspielung auf die Peter Pan Geschichte machen müssen.

Fazit (Patrick):

Film: American Ultra
Rating:
User2.Krammer.Rating2.Lukewarm.Frei
Lauwarm (2 / 5)

Pan ist ein langweiliger, überanimierter Abklatsch von Avatar. Als Originstory Peter Pans funktioniert der Film alleine deshalb, weil er typische Elemente aus Neverland einfügt und dem Zuschauer viele Anspielungen ins Gesicht wirft. Der Kinobesuch wird zum Bingospiel, wenn man versucht herauszufinden, welche Elemente aus welchem Film verwendet wurden.

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Patrick Verfasst von:

Autor, Editor und Podcaster er kann schon mal Blockbuster und Kunstfilme mögen, am Ende des Tages verliebt er sich aber meistens in die Indies. Wenn er einmal etwas in sein Herz geschlossen hat, verteidigt er es wie ein treuer Hund.

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