Was hat uns bloß so ruiniert

Kinder!

Marie Kreutzer kommt mit viel Schwung von der erfolgreichen Verfilmung des Erfolgsbuches Gruber geht und widmet sich wieder dem Erwachsenwerden, dem Weiterentwickeln. Dieses Mal mit einem selber geschriebenen Skript, aber wieder mit der tollen Kamerafrau Leena Koppe am Start. Ein Duo, dem die Weltherrschaft der österreichischen Filmszene gebührt. Nicht mehr und nicht weniger. Kreutzer widmet sich dem Thema Kinder kriegen und den Veränderungen, die mit so einem Vorhaben mit sich kommen. Mit viel Charme, Humor und einem messerscharfen Blick bewegt sie sich durch die Welt der Hipster-Bobos in Wien.

Kinder machen das Leben nicht einfacher

Bio, Nahversorger, Fahrräder und Schallplatten bestimmen das Leben dreier befreundeter Paare. Die Dokumentarfilmerin Stella (Vicky Krieps) und Foodblogger Markus (Marcel Mohab), die ewig grantige Ines (Pia Hierzegger) und der Apple-Nutzer Chris (Manuel Rubey) und die pseudofranzösische Mignon (Pheline Roggan) mit dem junggebliebenen Luis (Andreas Kiendl) werden alle gleichzeitig Eltern. Manche absichtlich, manche durch Unfall. Und damit beginnt das Leben in der Blase schwer zu werden. Ines macht Schluss, Stella hat sich das alles anders vorgestellt und Mignon wird zur anstrengenden laissez.faire Mutter, die Windeln mit der Sklavenhaltung vergleicht.

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© Thimfilm

Marie Kreutzer kennt die Szene. Zumindest macht es den Anschein. Problemlos bewegt sie sich in dieser Welt, zeigt die Absurditäten auf, macht sich dabei aber nie wirklich über die Hipstergesellschaft lustig. Sie neckt sie nur liebevoll und hält ihnen den Spiegel vor, ohne wehtun zu wollen. Das Ergebnis ist ein Film für alle. Für Hipster, Bobos und die, die sich über Hipster und Bobos lustig machen. Für Eltern, für die, die es werden wollen und für die, die damit nichts am Hut haben.

Rosinen sind reines Gift

Wenn man den Trailer sieht, bekommt man das Gefühl, alle guten Witze würden darin verbraten werden. Das war zumindest mein Eindruck und ich habe mich schon auf einen traurigen Film mit ein paar Witzen vorbereitet. So kommt es nicht und stellenweise muss man sich den Bauch vor lauter Lachen halten. Der einzige Film, der dieses Jahr annähernd so lustig war, war The Nice Guys.

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© Thimfilm

So bewegt man sich mit den sechs Leuten durch eine Welt von Wasser- und Hausgeburten, von überfürsorglichen Eltern und Müttern, die von ihren Kindern nichts wissen wollen. Mehr will man über die Handlung dann auch schon nicht mehr verraten, lasst euch einfach überraschen. Dabei geht es weniger um die Handlung als um die Charaktere. Um ihre Wünsche und Hoffnungen, die sich nicht erfüllen und sich ändern.

Marie Kreutzers Blick fürs Authentische

Was hat uns bloß so ruiniert fühlt sich für mich an, als würde ich nicht einmal alle Facetten mitkriegen. Der Blickwinkel wirkt zutiefst weiblich. Niemand hätte den Film so machen können wie Marie Kreutzer, was sich zugegebenermaßen blöd anhört, weil sie ja auch das Drehbuch dazu geschrieben hat. Weshalb ich aus diesem Gedankengang wohl so schnell wie möglich aussteigen sollte.

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Reden wir lieber über die Kamera. Österreichische Filme haben meistens ja das Stigma mit geringem Budget auskommen zu müssen und das wirkt sich meistens auf die Kamera aus. Die Einstellungen sind wenig überraschend und oft statisch ruhig. Leena Koppe pfeift da drauf und kleidet Was hat uns bloß so ruiniert in ein tolles Kostüm aus Farbe, Bewegung und Komposition.

Fazit (Patrick)

Film: Was hat uns bloß so ruiniert
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Sehr Gut (4 / 4)

Was hat uns bloß so ruiniert ist ein weiterer Eintrag in die Erfolgsstory der Marie Kreutzer. Eine pointiert lustige aber auch tragische Geschichte wird von Leena Koppes Kamera perfekt unterstützt und bereitet Bobos wohl auf auf das Elternsein vor. Die, die keine Kinder wollen, werden den Film wohl als Bestätigung sehen. Das ist wohl eines der besten Dinge an Was hat uns bloß so ruiniert. Es ist für jeden etwas dabei.

Weitere Meinungen aus der Redaktion

Fazit (Wolfgang):

Film: Was hat uns bloß so ruiniert
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Sehr Gut (4 / 4)

Marie Kreutzer bringt einen Film über die Wiener Bobo-Kultur, der diese zwar sehr aufs Korn nimmt, sie aber auch gleichzeitig als sympathische Akteure zeigt. Was hat uns bloß so ruiniert ist einer der – wenn nicht der – lustigste Film des Jahres, weil hier so authentisch der österreichische Humor eingefangen wird.

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Patrick Verfasst von:

Autor, Editor und Podcaster er kann schon mal Blockbuster und Kunstfilme mögen, am Ende des Tages verliebt er sich aber meistens in die Indies. Wenn er einmal etwas in sein Herz geschlossen hat, verteidigt er es wie ein treuer Hund.

Ein Kommentar

  1. Roland Hartmann
    11. März 2019
    Antworten

    wunderbares Chaoskino mit Tiefgang und Liebe zum Leben. Ein gelungenes Statement des Österreichischen Films mit internationalem Alleinstellungsmerkmal. Köstlich.

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